Persistierende Herpesviren: Varizella-Zoster im Fokus

Faktencheck und Informationen zu Rekurrenz und Impfempfehlungen.

4. Mai 2023
Lesedauer: 2 Min.
Ausschlag auf dem Bauch einer Frauv

Auf einen Blick

Das Varizella-zoster-Virus (VZV) kann 2 verschiedene klinische Krankheitsbilder hervorrufen: Varizellen (Windpocken) bei exogener Erstinfektion und Herpes zoster (Gürtelrose) bei endogener Reaktivierung. Die Schutzimpfungen gegen Varizellen und Herpes zoster stellen die besten Präventionsmaßnahmen dar.1

Faktencheck: Diagnostik eines Zoster2

Klassischerweise wird ein Zoster anhand der unilateralen, auf ein Dermatom begrenzten Hautveränderungen diagnostiziert. Diese entwickeln sich i. d. R. von erythematösen Flecken und Papeln zu Bläschen und Pusteln und jeweils nach 5 – 7 Tagen zu Krusten. Je nach Lokalisation können auch anhängende Dermatome beteiligt sein. Häufig leiden Betroffene auch an Schmerzen und Missempfindungen wie Juckreiz, Parästhesien, Dysästhesien oder Taubheitsgefühle, die meist schon einige Tage vor den Hauterscheinungen beginnen (Prodromi). Diese diffusen Schmerzen können oft als Herzinfarkt, Cholecystitis, Zahnschmerzen etc. fehlinterpretiert werden. Der molekulare Nachweis einer Zoster-Infektion erfolgt anhand der viralen DNA aus Abstrichen (Goldstandard).

 

Schmerzen & Risikofaktoren

Zoster-assoziierte Schmerzen können scharf, stechend, brennend, pochend und/oder oft berührungsempfindlich sein und in unterschiedlichen Phasen auftreten:3

  • Prodromalphase bei 70 – 90 % der Patienten
  • Akute Schmerz-Phase (bis zu 30 Tage)
  • Subakute Schmerz-Phase (30 – 90 Tage nach Abheilung der Hautveränderungen)
  • Post-Zoster Neuralgie (Schmerzen > 90 Tage nach Abheilung der Hautveränderungen)

Risikofaktoren für komplizierte Verläufe können z. B. Beteiligung des Kopfes und/oder des Nackens, Zeichen einer ZNS- oder einer viszeralen Beteiligung, ein fortgeschrittenes Alter oder eine Immunschwäche sein.2

 

Rekurrenz einer Herpes zoster-Infektion4

Mehr als 15 % der Betroffenen im Alter von < 50 Jahren mit ≥ 1 Grunderkrankung erlebten innerhalb von 10 Jahren mind. 1 Herpes zoster-Rezidiv. Die mittlere Zeit bis zum 1. Rezidiv lag bei 4,7 Jahren.4

Leitlinien-Empfehlungen zur antiviralen Therapie2 

Präparat Dosierung Dauer
Valaciclovir oral 1000 mg 3x täglich 7 Tage
Aciclovir oral  800 mg 5x täglich 7 Tage
Aciclovir i. v.* 8 – 10 mg/kg KG 3x täglich 7 – 10 Tage
Famciclovir oral 500 mg 3x täglich 7 – 10 Tage
Brivudin oral 125 mg 1x täglich 7 Tage

*Zoster bei immundefizienten und anderen Patienten mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf 

Impfempfehlungen5

Herpes zoster (Gürtelrose): 2 Impfdosen

Standardimpfung:

  • Personen ab 60 Jahren
  • zweimalige Impfung mit dem adjuvantierten Herpes-zoster-Totimpfstoff im Abstand von mind. 2 bis max. 6 Monaten 

Indikationsimpfung:

  • ab 50 Jahren bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung, wie z. B. Immunsuppression, HIV-Infektion, Asthma bronchiale, Diabetes mellitus, CED, SLE, Rheumatoider Arthritis u. a.

Referenzen

CED: chronisch-entzündliche Darmerkrankungen; HIV: Humanes Immundefizienz-Virus; HZ: Herpes zoster; i. v.: intravenös; KG: Körpergewicht; SLE: systemischer Lupus Erythematodes; ZNS: zentrales Nervensystem. 

1. Robert-Koch-Institut. Windpocken (Varizellen), Gürtelrose (Herpes zoster) RKI-Ratgeber. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen (letzter Zugriff 10.05.2023).

2. AWMF S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie“. 2019.

3. Werner RN et al. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2017,31,9-19.

4. Batram M et al. Dermatol Ther (Heidelb). 2021;11(3):1009-26.

5. Ständige Impfkommission: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2023. Epid Bull 2023;4:3-68. 

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