Die Reiselust der Bevölkerung ist ungebrochen. Oftmals werden auch „Last-minute“ Reisen in Anspruch genommen und zwischen dem Besuch in der Praxis und der geplanten Abreise ist für notwendige Reiseimpfungen dann nicht mehr viel Zeit. Deshalb sollte grundsätzlich jeder Besuch in der Praxis dazu genutzt werden, aktiv nach eventuell geplanten Reisen zu fragen. Grundsätzlich sollte dann auch der Blick in den Impfausweis dazu genutzt werden, um nach Impflücken bei den Standardimpfungen zu schauen.
Masern: Die Masern-Impfung ist für Reisen in Richtung Amerika von großer Bedeutung, da hier wieder sehr viele Masern-Fälle, besonders in den USA sowie Kanada und Mexiko, aufgetreten sind.1 Säuglinge bzw. Kleinkinder sollten standardmäßig 2 MasernImpfungen im Alter von 11 und 15 Monaten erhalten. Erwachsene, die nach 1970 geboren sind und ungeimpft bzw. nur einmal in der Kindheit geimpft wurden oder bei denen der Impfstatus unklar ist, sollten eine einmalige Masern-Impfung erhalten.
Polio: Der zunehmende Reiseverkehr macht auch vor Deutschland nicht halt, so ist in einigen Städten in Deutschland das Polio-Virus im Abwasser nachgewiesen worden. Unabhängig von etwaigen Reisen sollten alle Personen in Deutschland eine Grundimmunisierung gegen Polio, bestehend aus 3 Impfstoffdosen, sowie eine einmalige Polio-Auffrischimpfung aufweisen. Weitere Auffrischimpfungen gegen Polio können als Reiseimpfung indiziert sein, wenn die letzte Polio-Impfung länger als 10 Jahre zurückliegt und in Länder gereist wird, in denen das Polio-Wildvirus zirkuliert.2
Hepatitis A & B: Für Reisen südlich der Alpen und östlich der Oder sollten die Impfungen gegen Hepatitis A und B überprüft werden und gegebenenfalls durchgeführt bzw. aufgefrischt werden. Bei Verwendung des Hepatitis-A-Monoimpfstoffes reicht eine Impfung vor der Abreise für einen hinreichenden Schutz aus – für einen guten Langzeitschutz sollte die zweite Impfung aber in jedem Fall nachgeholt werden. Wenn der Hepatitis-A/B-Kombinationsimpfstoff verwendet wird und die Abreise zeitnah erfolgen soll, steht auch ein Schnellimpfschema zur Verfügung (0-7-21 Tage). Nachdem in diesem Jahr in Europa schon mehrere Hepatitis-A-Ausbrüche verzeichnet wurden, steht aktuell ein Ausbruch in der Region Neapel im Fokus.3
FSME: Aber auch bei Reisen innerhalb von Deutschland lauern bei Exposition gegenüber Unterholz in Wäldern und Feldern Gefahren durch den Stich einer Zecke und die Übertragung des FSME-Virus. Im Jahr 2025 gab es in Deutschland die dritthöchste Fallzahl an FSME-Infektionen seit Beginn der Aufzeichnung der Fallzahlen im Jahr 2001. Eine Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen, wobei ein adäquater Teilschutz auch bereits nach zwei Impfungen im Mindestabstand von 14 Tagen vorhanden ist. Die dritte Impfung wird dann je nach Impfstoff 5 oder 9 Monate nach der zweiten Impfung verabreicht. Für die FSME-Impfungen gilt der Grundsatz: „Jede Impfung zählt“. Das bedeutet, dass bei einer unvollständigen Impfserie die Serie einfach komplementiert wird. Durch die Klimaerwärmung muss insbesondere in den milderen Regionen Deutschlands mit Aktivität der Zecken auch in den Wintermonaten gerechnet werden.4
Dengue & Chikungunya: Die globale Klimaerwärmung, die zunehmende Verstädterung in Schwellen- und Entwicklungsländern und die zunehmende Reisetätigkeit weltweit haben zu einer verstärkten Verbreitung von Dengue und Chikungunya beigetragen. Beide sogenannte Arbovirosen werden durch die Tigermücke übertragen. Beide Arbovirosen sind auch im Süden Europas auf dem Vormarsch und bereits in Frankreich und Italien endemisch. In beiden Ländern treten regelmäßig Infektionen während der Sommermonate auf. Bei Reisen in Ländern mit einem akuten Ausbruch oder hohen Infektionszahlen sollten die Impfungen gegen Chikungunya und Dengue in Erwägung gezogen werden.5,6
Tipps für die Praxis: Damit Ihre Patient*innen gut geschützt in den Urlaub fahren können, sollten Sie folgende Punkte in der Praxis beachten:
- Aktive Ansprache ihrer Patient*innen bei jedem Praxisbesuch auf eventuelle Urlaubspläne.
- Separaten Termin für die Reiseimpfungen vereinbaren.
- Eventuelle fehlende Standard- & Indikationsimpfungen nach STIKO-Impfplan gleich mit vervollständigen.
- Die Möglichkeit der Ko-Administration von Impfungen nutzen, um Termine zu sparen.
Wichtige Quellen, um sich und Ihre Patient*innen aktuell zu informieren finden Sie hier:
Quellen: 1. https://www.paho.org/sites/default/files/2026/02/2026-feb-3-phe-alerta-epi-measlesenfinal1.pdf, 2. https://www.auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit/reise-gesundheit/2517492-2517492, 3. https://www.regione.campania.it/regione/it/news/comunicati-2026-yoj8/19-03-2026-comunicato-n-136-laregione-campania-intensifica-i-controlli-sulla-filiera-dei-molluschi-bivalvi-e-rafforza-le-misure-diprevenzione-contro-l-epatite-a?page=1, 4. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/EpidemiologischesBulletin/2026/09_26.html, 5. https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/12-month-chikungunyavirus-disease-case-notification-rate-100-000-population-9, 5. https://www.ecdc.europa.eu/en/publicationsdata/twelve-month-dengue-virus-disease-case-notification-rate-100-000-population-1