STIKO-Impfempfehlungen von Geburt bis zur U9

Überblick über die Rolle & Struktur der STIKO-Impfempfehlungen, den Impfkalender für Säuglinge und Kleinkinder sowie die Umsetzung der Empfehlungen in der Praxis.  

6. Juli 2026
Lesedauer: 4 Min.
Babyfüße in Händen

Die STIKO und ihr Impfkalender: Warum strukturierte Impfempfehlungen entscheidend sind

Impfungen gehören zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen in der Medizin. Die Ständige Impfkommission (STIKO) entwickelt als Gremium von Expertinnen und Experten wissenschaftlich-fundierte Empfehlungen zur Durchführung von Schutzimpfungen mit dem Ziel, sowohl den individuellen Schutz als auch die öffentliche Gesundheit zu gewährleisten. Besonders im Kindesalter ist eine frühzeitige und strukturierte Umsetzung entscheidend, da Säuglinge und Kleinkinder ein besonders hohes Risiko für Infektionskrankheiten und schwere Erkrankungsverläufe haben.1

Der STIKO-Impfkalender bildet das zentrale Instrument zur Umsetzung dieser Empfehlungen. Er strukturiert alle Standardimpfungen nach Alter und Risiko. Die Impfzeitpunkte orientieren sich am Erkrankungsrisiko und sollen möglichst frühzeitig eingehalten werden.

Grafik : STIKO-Impfkalender von Geburt bis U9

Abbildung 1: STIKO-Impfkalender von Geburt bis U9 2026 (GI: Grundimmunisierung, AI: Auffrischimpfung, N: Nachholimpfung)2


Impfempfehlungen in den ersten Lebensmonaten

Die STIKO empfiehlt (je nach Geburtsmonat) schon in den ersten Tagen nach Geburt die passive Immunisierung gegen RSV. Ab dem Alter von 6 Wochen sollte die Rota-Virus-Grundimmunisierung begonnen werden. Im Alter von 2 Monaten werden die Grundimmunisierungen mit der 6-fach-, der Pneumokokken- sowie der Meningokokken-B-Impfung begonnen. Und ab dem Alter von 11 Monaten erfolgen schließlich die ersten Masern-Mumps-Röteln (MMR)- und Varizellen-Impfungen. Im Alter von 5-6 Jahren empfiehlt die STIKO die erste Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Auffrischimpfung. Fehlende, bzw. verpasste Impfungen sollen zeitnah nachgeholt werden.3

 

Integration in die U-Untersuchungen

Die U-Untersuchungen (U1–U9) sind zentrale Ankerpunkte für die Umsetzung der STIKO-Empfehlungen. Sie bieten eine gute Gelegenheit, um gezielt die Impfaufklärung der Eltern durchzuführen und die empfohlenen Impfungen zeitgerecht zu verabreichen, bzw. verpasste Impfungen nachzuholen.3 Diese enge Verzahnung ermöglicht eine standardisierte Umsetzung und erhöht die Impfquoten.

  • U2: Durchführung der RSV-Prophylaxe während der RSV-Saison (Oktober – März) 
  • U3: Umfassende Impfaufklärung, Mitgabe von Informationsmaterial, ggf. 1. Dosis der Rota-Virus-Impfung
  • U4: Beginn, bzw. Fortführung der ersten Grundimmunisierungen (Rota-Virus-, 6-fach-, Pneumokokken- und Meningokokken-B-Impfung)
  • U5: Ggf. Durchführung von Nachholimpfungen
  • U6: Komplettierung der ersten Grundimmunisierungen (6-fach- und Pneumokokken-Impfung), Beginn der Verabreichung der MMR- und Varizellen-Lebendimpfungen
  • U7, U7a, U8: Ggf. Durchführung von Nachholimpfungen
  • U9: 1. Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Auffrischimpfung 

Wichtig:
Jeder Arztkontakt sollte zur Überprüfung und ggf. Vervollständigung des Impfstatus genutzt werden. Außerdem sollte die Möglichkeit der Koadministration, der gemeinsamen Verabreichung mehrerer Impfungen genutzt werden, um den Impfschutz schnellstmöglich aufzubauen und die Schutzlücke nach dem Nestschutz möglichst kurz zu halten.

Aktive vs. passive Immunisierung

Der STIKO-Impfkalender kombiniert unterschiedliche Immunisierungsstrategien. Die meisten der empfohlenen Impfungen sind aktive Immunisierungen. Das körpereigene Immunsystem wird dabei zur Produktion von Antikörpern angeregt. Das Ziel dabei ist der Aufbau eines langfristigen Immunschutzes. Bei der aktiven Immunisierung unterscheidet man verschiedene Impfstofftypen: Totimpfstoffe und Lebendimpfstoffe sowie moderne genbasierte Impfstoffe. Zudem wird die Möglichkeit der passiven Immunisierung eingesetzt.4 

Grafik : Aktive und passive Immunisierung und deren Anwendung in den ersten Lebensmonaten

Abbildung 2: Aktive und passive Immunisierung und deren Anwendung in den ersten Lebensmonaten4

Totimpfstoffe sind in vielen Situationen breit einsetzbar, während Lebendimpfstoffe in gewissen Situationen, z.B. Schwangerschaft, Immunsuppression, kontraindiziert sind.
 

Praktische Umsetzung im Alltag

Für die Praxis ergeben sich klare Handlungsempfehlungen:

  • Früh beginnen: Impfungen zum empfohlenen Zeitpunkt starten
  • Impfserien bestenfalls ohne Unterbrechung durchführen
  • Möglichkeiten der Koadministration nutzen
  • U-Untersuchungen nutzen, um den Impfstatus regelmäßig prüfen und zu vervollständigen
  • Fehlende Impfungen zeitnah ergänzen

Referenzen

1 RKI-Faktensandwich: Impfungen sind besonders bei Säuglingen und Kleinkindern wichtig, verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Informationsmaterialien/Impfmythen/falschinformationen-wirksam-aufklaeren.html?templateQueryString=faktensandwich (abgerufen am 23.06.26)

2 RKI – Impfkalender in verschiedenen Sprachen (deutsch), verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Informationsmaterialien/verschiedene-Sprachen/Impfkalender/Impfkalender_Deutsch.pdf?__blob=publicationFile&v=10 (abgerufen am 23.06.26)

3 Epid Bull 2026;4:1-79 | DOI 10.25646/13636.3

4 DocCheck Flexikon: Impfung, verfügbar unter https://flexikon.doccheck.com/de/Impfung (abgerufen am 23.06.26)

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