STIKO-Impfempfehlungen für ältere Patient*innen
Strukturierter Überblick über die aktuellen STIKO‑Impfempfehlungen für Personen ab 60 Jahren
Mit zunehmendem Alter verändert sich das Immunsystem, wodurch ältere Menschen anfälliger für Infektionen werden und gleichzeitig Infektionserkrankungen häufig schwerer verlaufen und zu höheren Hospitalisierungsraten führen.1 Um ältere Menschen gezielt vor diesen Risiken zu schützen, werden gezielt Impfempfehlungen in Deutschland von der Ständigen Impfkommission (STIKO) entwickelt. Diese basieren auf einer systematischen Bewertung der verfügbaren Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Impfstoffen und berücksichtigen sowohl den individuellen Nutzen als auch bevölkerungsbezogene Effekte. Auf dieser Grundlage empfiehlt die STIKO für Personen ab 60 Jahren Impfungen gegen respiratorische Erreger wie Influenza und COVID‑19 sowie gegen die reaktivierende Virusinfektion Herpes zoster - ab einem Alter von 75 Jahren wird zusätzlich eine Impfung gegen das Respiratorische Synzytial‑Virus (RSV) empfohlen. Dabei wird zwischen Standardimpfungen, die allen Personen einer Altersgruppe empfohlen werden, und Indikationsimpfungen für definierte Risikogruppen unterschieden. Darüber hinaus sollte der Impfstatus auch in Bezug auf weitere empfohlene Auffrischimpfungen, wie Tetanus, Diphtherie oder Pertussis, regelmäßig überprüft und bei Bedarf aufgefrischt werden.
Abbildung 1: Altersbedingter Veränderungen des Immunsystems und STIKO‑Impfempfehlungen.2
Herpes-Zoster-Impfung
Herpes zoster (HZ) entsteht durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus und tritt mit zunehmendem Alter deutlich häufiger auf. Die Inzidenz liegt im Alter von 10–49 Jahren bei etwa 4 Fällen pro 1.000 Personenjahren (PJ) und steigt ab dem 50. Lebensjahr kontinuierlich an (ca. 14 Fälle/1.000 PJ im Alter von 75 Jahren).3 Neben dem akuten, sehr schmerzhaften Krankheitsbild stellt insbesondere die Post-Zoster-Neuralgie eine schwerwiegende Komplikation dar, die bei etwa 5–30 % der Betroffenen auftritt.4
Die STIKO empfiehlt eine Standardimpfung für alle Personen ab 60 Jahren gegen HZ mit einem adjuvantierten HZ-Totimpfstoff.2 Die Grundimmunisierung erfolgt in zwei Dosen in einem Abstand von 2 bis 6 Monaten. Zusätzlich wird eine Indikationsimpfung bereits ab einem Alter von 18 Jahren für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung, an Herpes zoster zu erkranken, empfohlen, insbesondere bei Immundefizienz oder schweren chronischen Grunderkrankungen.
Respiratorische Synzytial-Virus-Impfung
RSV ist eine häufig unterschätzte Ursache für akute Atemwegsinfektionen im höheren Lebensalter und geht insbesondere bei Risikogruppen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko einher. Komplikationen umfassen Exazerbationen bestehender Grunderkrankungen, RSV-Pneumonien und bakterielle Superinfektionen - dabei steigt das Risiko für Hospitalisierungen deutlich mit dem Alter an (40–49 Jahre: ca. 0,9/100.000; 65–74 Jahre: ca. 6,5/100.000).5
Die STIKO empfiehlt daher die RSV-Impfung als Standardimpfung für alle Personen ab 75 Jahren.2 Die Grundimmunisierung erfolgt einmalig mit einem der zugelassenen RSV-Impfstoffe. Für Personen im Alter von 60 bis 74 Jahren mit erhöhtem Risiko für einen schweren RSV‑Krankheitsverlauf wird die Impfung als Indikationsimpfung empfohlen bei schweren chronischen Grunderkrankungen, Immundefizienz oder bei Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen.
Pneumokokken-Impfung
Pneumokokken sind häufige Erreger schwerer bakterieller Infektionen wie Pneumonie, Sepsis und Meningitis und stellen insbesondere im höheren Lebensalter ein relevantes Gesundheitsrisiko dar.6 Infektionen gehen insbesondere bei älteren Menschen häufiger mit schweren Verläufen, erhöhten Hospitalisierungsraten und einer gesteigerten Mortalität einher.
Die STIKO empfiehlt die Pneumokokken-Impfung daher als Standardimpfung für alle Personen ab 60 Jahren.2 Die Grundimmunisierung erfolgt einmalig mit dem 20-valenten Konjugatimpfstoff (PCV20). Zusätzlich wird die Impfung als Indikationsimpfung für Personen ab dem Alter von 2 Jahren mit erhöhtem Risiko für schwere Pneumokokken‑Erkrankungen infolge von Immundefizienz oder chronischen Grunderkrankungen empfohlen.
Influenza-Impfung
Die saisonale Influenza stellt für ältere Menschen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar und geht häufig mit Komplikationen wie Pneumonie, Exazerbationen chronischer Erkrankungen oder kardiovaskulären Ereignissen einher.7
Die STIKO empfiehlt daher eine jährliche Influenza-Impfung als Standardimpfung für alle Personen ab 60 Jahren.2 Die Impfung erfolgt idealerweise vor Beginn der Influenzasaison im Herbst mit einem entsprechend der WHO-Empfehlung aktualisierten Impfstoff. Für Personen ab 60 Jahren wird zudem ein Hochdosis- oder MF59-adjuvantierter Influenzaimpfstoff empfohlen. Zusätzlich besteht eine Indikation zur Influenza-Impfung für weitere Risikogruppen, darunter auch Schwangere ab dem 2. Trimenon sowie Personen ab einem Alter von 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung.
COVID-19-Impfung
Auch nach der Pandemie zählt COVID‑19 weiterhin zu den häufigsten Atemwegsinfektionen in Deutschland (Saison 2024/25: 140.799 Fälle) und ist insbesondere für Patienten und Patientinnen ab 60 Jahren mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe verbunden, das mit zunehmendem Alter weiter ansteigt.8,9 In der Saison 2024/25 wurden 2.843 Todesfälle im Zusammenhang mit COVID‑19 verzeichnet, von denen rund 90 % Personen im Alter von 60 Jahren oder älter betrafen.10
Die STIKO empfiehlt daher weiterhin für Personen ab 60 Jahren eine jährliche COVID‑19-Impfung als Standardimpfung im Herbst, idealerweise mit einem an die aktuell zirkulierenden Varianten angepassten Impfstoff gemäß WHO-Empfehlung.2 Eine Grundimmunisierung gilt als abgeschlossen, wenn eine Basisimmunität von ≥ 3 SARS-CoV-2-Antigenkontakten (darunter mindestens eine Impfung) erreicht wurde. Zusätzlich besteht eine Indikationsimpfempfehlung für weitere Risikogruppen, darunter Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen sowie Personen ab 6 Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung.
Abbildung 2: Übersicht der STIKO‑Impfempfehlungen 2026.2
Ziel der empfohlenen Impfungen ist es, insbesondere bei älteren Menschen mit erhöhtem Risiko schwere Krankheitsverläufe sowie assoziierte Komplikationen zu reduzieren, die im höheren Lebensalter vermehrt zu Hospitalisierungen und erhöhter Mortalität führen. Gemäß den STIKO-Empfehlungen können mehrere der empfohlenen Impfungen in einem Termin verabreicht werden. Durch eine gezielte Koadministration soll ein möglichst frühzeitiger und vollständiger Impfschutz erreicht werden. Dabei ist der individuelle Gesundheitszustand unter Berücksichtigung bestehender Vorerkrankungen sowie möglicher Immundefizienzen zu beachten.
Referenzen
1. Weinberger B et al. Impfprävention im höheren Lebensalter. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. 2025. doi:10.1007/s00391-025-02496-4
2. Epid Bull 2026;4:1-79 | DOI 10.25646/13636.3
3. Gross GE et al. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie. GMS Infect Dis. 2020; doi:10.3205/id000045
4. Epid Bull 2025;45:3-27 | DOI 10.25646/13540.2
5. Epid Bull 2024;32:3-28 | DOI 10.25646/12470
6. Epid Bull 2023;39:3-44 | DOI 10.25646/11719.2
7. Epid Bull 2024;44:3-23 | DOI 10.25646/12901.2
8. Epid Bull 2025;41:3-14 | 10.25646/13477
9. Robert Koch-Institut (RKI). COVID‑19-Ratgeber für Fachkreise. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_COVID-19.html; Zugriff: 02.06.2026
10. Robert Koch-Institut: ARE-Monatsbericht KW 36-39/2025 | DOI: 10.25646/13414
Abbildungen
Abb.1: Eigene Darstellung unter Verwendung eines Auszugs aus den STIKO-Empfehlungen, Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 4/2026; Epid Bull 2026;4:1-79 | DOI 10.25646/13636.3, lizensiert unter CC BY 4.0
Abb.2: Abb. 2: STIKO-Impfempfehlungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Auszug). Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 4/2026; Epid Bull 2026;4:1–79. DOI: 10.25646/13636.3, lizenziert unter CC BY 4.0
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