RSV bei Kindern: Schutz frühzeitig mitdenken
Strukturierter Überblick zur Bedeutung der RSV-Prophylaxe und zur aktuellen STIKO-Empfehlung für Säuglinge
Nahezu alle Kleinkinder infizieren sich bis zu einem Alter von 2 Jahren mit RSV
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) zählt zu den wichtigsten Erregern akuter Atemwegsinfektionen und wird im Versorgungsalltag dennoch häufig unterschätzt. Zwar kann das Virus Personen in jedem Alter betreffen, ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe besteht jedoch insbesondere bei Kindern, älteren Personen und Patient*innen mit bestimmten Grunderkrankungen. Für die Versorgung von Kindern ist jedoch besonders relevant, dass auch Neugeborene und junge Säuglinge vulnerabel sind: Im ersten Lebensjahr können sich RSV-Infektionen rasch auf die unteren Atemwege ausbreiten, zu einer Bronchiolitis oder Lungenentzündung führen und eine stationäre Behandlung erforderlich machen.1
Abbildung 1: RSV-Infektionen betreffen alle Altersgruppen.
Was die Impfberatung anspruchsvoll macht: Schwere Verläufe lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen und auch zuvor gesunde, reif geborene Säuglinge können schwer erkranken.1,2 Ein Blick auf Häufigkeit, Saisonalität und Versorgungslast zeigt, warum RSV im frühen Kindesalter rechtzeitig mitgedacht werden sollte:
RSV im ersten Lebensjahr: Die wichtigsten Fakten1,3
- RSV-Saison: In der Regel zwischen Oktober und März.
- Infektionshäufigkeit: Nahezu alle Kinder infizieren sich bis zu ihrem 2. Geburtstag mit RSV - etwa 50 % bis 70 % im ersten Lebensjahr.
- Risikoprofil: RSV-Infektionen sind häufigste Ursache für Hospitalisierungen bei Neugeborenen und Säuglingen in Deutschland - etwa 80% der schweren RSV-Infektionen treten bei zuvor gesunden Säuglingen auf. Diese sind in den ersten 6 Lebensmonaten besonders gefährdet.
RSV früh ansprechen: von Geburt bis U‑Untersuchung
Rund um Geburt, U2, U3 und U4 entstehen wichtige Kontaktpunkte, um das RSV-Risiko und eine mögliche Prophylaxe kurz und verständlich einzuordnen. Eltern fragen häufig, warum eine Prophylaxe bei einem scheinbar gesunden Kind sinnvoll sein kann. Eine wichtige Botschaft für die Beratung ist: RSV ist häufig, die ersten Lebensmonate sind besonders vulnerabel, und schwere Verläufe können auch ohne erkennbare Risikofaktoren oder Vorerkrankungen auftreten.1,2
Ziel der frühen Prävention ist es, schwere RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege, Hospitalisierungen und die saisonale Belastung von Arztpraxen und Kinderkliniken zu reduzieren. Neben impfenden Ärztinnen und Ärzten können auch MFA hier eine wichtige Lotsenfunktion übernehmen: Sie erkennen typische Beratungsanlässe, geben Orientierung und unterstützen dabei, die ärztliche Abklärung oder Umsetzung zeitgerecht anzustoßen – ohne zu alarmisieren. Auch Apothekenteams können im weiteren Verlauf zusätzliche Fragen aufgreifen und Eltern unterstützen.
Aktuelle STIKO-Empfehlung: Passive Immunisierung in der ersten RSV-Saison
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher eine RSV-Prophylaxe mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison – unabhängig von individuellen Risikofaktoren.4 Es handelt sich hierbei um keine "klassische" Impfung, sondern eine passive Immunisierung: Der Schutz entsteht durch die direkte Gabe von Antikörpern und muss nicht erst durch eine induzierte Immunantwort "selbst" aufgebaut werden.
Der empfohlene Zeitpunkt richtet sich nach dem Geburtsmonat: Säuglinge, die zwischen April und September geboren werden, sollen die Prophylaxe möglichst im Herbst vor Beginn ihrer ersten RSV-Saison erhalten. Neugeborene, die während der RSV-Saison – typischerweise Oktober bis März – geboren werden, sollten möglichst rasch nach der Geburt geschützt werden. Idealerweise erfolgt dies vor Entlassung aus der Geburtseinrichtung beziehungsweise im Rahmen der U2-Untersuchung (3.–10. Lebenstag). Eine versäumte Gabe sollte innerhalb der 1. RSV-Saison rasch nachgeholt werden. Darüber hinaus kann die Prophylaxe gleichzeitig mit oder in beliebigem Abstand zu anderen Standardimpfungen im Säuglingsalter verabreicht werden.4
Abbildung 2: Zeitpunkt der RSV-Prophylaxe nach STIKO-Empfehlung in Abhängigkeit vom Geburtsmonat.
Wissenswertes für die Praxis: häufige Fragen kurz beantwortet
Für die Umsetzung im Alltag sind vor allem wenige Fragen entscheidend: Wer sollte geschützt werden, wann ist der richtige Zeitpunkt, was ist zur Verträglichkeit bekannt und wie lässt sich die Prophylaxe mit Standardimpfungen kombinieren? Die nachfolgende Übersicht fasst vier wichtige Punkte kompakt zusammen.
Abbildung 3: Häufige Fragen & Antworten zur RSV-Prophylaxe bei Neugeborenen und Säuglingen.3,5
Der Schutz vor RSV-Infektionen im ersten Lebensjahr beginnt mit einer guten Beratung und Aufklärung. Werden RSV und die saisonale Relevanz frühzeitig in Geburtseinrichtungen, Praxen und Apotheken berücksichtigt, können Eltern besser erreicht, der richtige Zeitpunkt genutzt und schwere Verläufe reduziert werden.
Referenzen
1. Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber: RSV-Infektionen. Stand: 21.05.2025 (letzter Aufruf Juni 2026).
2. Arriola CS, et al. J Pediatric Infect Dis Soc. 2020; 9(5): 587–595.
3. Robert Koch-Institut. Faktenblätter zum Impfen. RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab bei Neugeborenen und Säuglingen. Stand: Februar 2026 (letzter Aufruf Juni 2026).
4. Robert Koch-Institut (RKI). Epid Bull 2026; 4.
5. Robert Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen – RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab bei Neugeborenen und Säuglingen. Stand: 30.04.2026 (letzter Aufruf Juni 2026).
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