Impfen in der Praxis: Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
Überblick über Kontraindikationen und wichtige Vorsichtsmaßnahmen bei der Durchführung von Schutzimpfungen.
Im Rahmen des Aufklärungs- und Beratungsgesprächs vor einer Schutzimpfung sollten mögliche Kontraindikationen und besondere Vorsichtsmaßnahmen im Austausch mit der Patientin oder dem Patienten erfragt und berücksichtigt werden. Dabei gilt: Nicht jede Erkrankung oder jedes Symptom stellt automatisch einen Grund dar, eine Impfung nicht durchzuführen. Um tatsächliche Kontraindikationen von vermeintlichen Impfhindernissen zu unterscheiden, ist eine sorgfältige Anamnese und individuelle Beurteilung der zu impfenden Person entscheidend.
Vor der Impfung: Kontraindikationen prüfen
Kontraindikationen sind Umstände, unter denen eine bestimmte Impfung nicht oder nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt durchgeführt werden sollte. Folgende Situationen sollten laut RKI als mögliche Kontraindikation berücksichtigt werden:1,2
- Schwere akute Erkrankungen: Bei einer akuten schweren Erkrankung sollte die Impfung in der Regel erst nach Genesung erfolgen. Eine Ausnahme stellen postexpositionelle Impfungen dar, die auch bei einer akuten schweren Erkrankung unverzüglich durchgeführt werden sollten.
- Schwere Allergien: Allergien gegen Bestandteile eines Impfstoffs können eine Kontraindikation darstellen. Bei bekannten Allergien sollten daher die Inhaltsstoffe des jeweiligen Impfstoffs geprüft werden. Hinweis: Für viele Impfstoffe sind Alternativen verfügbar, z. B. hühnereiweißfreie Präparate: Impftabellen: Allergie gegen Hühnereiweiß
- Immunsuppression: Bei angeborener, erworbener oder medikamentös bedingter Immunsuppression sind Lebendimpfstoffe in der Regel kontraindiziert. Vor einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff sollte die individuelle Situation geprüft werden.
- Schwangerschaft: Lebendimpfstoffe sind während der Schwangerschaft kontraindiziert. Dazu zählen beispielsweise die Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen.
Für Totimpfstoffe gelten differenzierte Empfehlungen, sodass eine Schwangerschaft nicht grundsätzlich gegen eine Impfung spricht.
Wichtig: Ob eine Kontraindikation besteht, muss immer im Hinblick auf den konkreten Impfstoff und die individuelle Situation der zu impfenden Person beurteilt werden. Dabei sind die aktuellen STIKO-Empfehlungen sowie die Angaben der jeweiligen Fachinformation zu beachten.
Nicht jede Erkrankung ist eine Kontraindikation
Nicht jede Erkrankung oder gesundheitliche Besonderheit spricht gegen eine Impfung. Werden vermeintliche Kontraindikationen fälschlicherweise als Ausschlussgrund gewertet, können Impfungen unnötig verschoben oder versäumt werden. Dadurch entstehen Impflücken und der empfohlene Impfschutz wird verzögert.1,2
Die STIKO bezeichnet solche Umstände als falsche Kontraindikationen. Dazu zählen beispielsweise:
- banale Infekte, auch bei subfebrilen Temperaturen unter 38,5 °C
- Antibiotikabehandlung
- Ekzeme, Dermatosen oder lokal begrenzte Hautinfektionen
- angeborene oder erworbene Immundefekte bei Impfungen mit Totimpfstoffen
- Frühgeburtlichkeit
- chronische Erkrankungen, einschließlich neurologischer Erkrankungen
Für die Impfentscheidung ist es daher wichtig, richtige von falschen Kontraindikationen zu unterscheiden und die Fachinformationen zum jeweiligen Impfstoff zu berücksichtigen.
Auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen im zeitlichen Zusammenhang mit einer früheren Impfung sollten bei der weiteren Impfentscheidung berücksichtigt werden. Abhängig von ihrer Ausprägung stellen sie nicht zwangsläufig eine absolute Kontraindikation für eine erneute Impfung mit demselben Impfstoff dar. Gegebenenfalls kann unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen geimpft werden, beispielsweise mit einer verlängerten Nachbeobachtungszeit.
Gut zu wissen: Das RKI-Faktenblatt „Falsche und richtige Kontraindikationen bei Impfungen“ bietet eine kompakte Übersicht und hilft bei der Einordnung möglicher Kontraindikationen in der Praxis.
Abbildung 1: RKI-Faktenblätter mit einer Übersicht über richtige und falsche Kontraindikationen bei Impfungen.
Nach der Impfung: Nachbeobachtung und Vorsorge
Nach einer Impfung können vorübergehende lokale und systemische Impfreaktionen auftreten. Typische Lokalreaktionen sind Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Injektionsstelle. Zu den möglichen Allgemeinreaktionen zählen beispielsweise Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Unwohlsein oder Fieber. Diese Reaktionen sind Ausdruck der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff und klingen in der Regel innerhalb weniger Tage folgenlos ab. Art und Häufigkeit unterscheiden sich je nach Impfstoff und können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.3
Impfkomplikationen, also unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW), die über das übliche Maß einer Impfreaktion hinausgehen, sind selten. Angaben zu Art und Häufigkeit der in klinischen Studien festgestellten UAW finden sich in den Fachinformationen der jeweiligen Impfstoffe.3
Eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Reaktion ist die Anaphylaxie. In einer großen populationsbasierten Studie mit mehr als 25 Millionen verabreichten Impfdosen traten etwa 1,3 Fälle pro 1 Million Impfdosen auf. Aufgrund des potenziell lebensbedrohlichen Verlaufs erfordert eine Anaphylaxie eine sofortige medizinische Behandlung.4 Auch wenn schwerwiegende Impfreaktionen insgesamt sehr selten sind, sollten Impfungen grundsätzlich in einem medizinischen Umfeld erfolgen, in dem die geimpfte Person nach der Impfung beobachtet und eine anaphylaktische Reaktion bei Bedarf umgehend erkannt und behandelt werden kann.2
Die Dauer der Nachbeobachtung kann von der individuellen Situation und dem verwendeten Impfstoff abhängen. Die US-amerikanische CDC empfiehlt nach den meisten Impfungen eine Beobachtung von 15 Minuten. Ein Grund hierfür ist das mögliche Auftreten einer Synkope (Kreislaufkollaps/Ohnmacht) nach der Impfung: Rund 80 % der gemeldeten Synkopen traten innerhalb von 15 Minuten nach der Impfstoffgabe auf. Die STIKO hingegen legt keine allgemeingültige Nachbeobachtungsdauer mit konkreter Minutenangabe für Schutzimpfungen fest. Sie formuliert allgemein, dass Impfungen in einem Umfeld erfolgen sollten, in dem eine angemessene Beobachtung nach der Impfung und bei Bedarf die Behandlung einer anaphylaktischen Reaktion möglich sind.2,5
Bei bestimmten Risikokonstellationen können zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sein. So empfiehlt die STIKO bei unerwünschten Arzneimittelwirkungen im zeitlichen Zusammenhang mit einer vorausgegangenen Impfung eine Nachbeobachtungszeit von 30 Minuten.2
Wichtig: Die Dauer der Nachbeobachtung sollte an die jeweilige Situation angepasst werden. Dabei sind impfstoffspezifische Vorgaben und Empfehlungen sowie individuelle Risikofaktoren zu berücksichtigen.
Referenzen
1. Robert Koch-Institut (RKI). Falsche und richtige Kontraindikationen bei Impfungen. Faktenblatt zum Impfen. Berlin: RKI. Abruf: 07.09.2026.
2. Robert Koch-Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2026, Epidemiologisches Bulletin 4/2026, Kap. 4.7 „Kontraindikationen und falsche Kontraindikationen“. Abruf: 07.09.2026.
3. Robert Koch-Institut (RKI). Sicherheit von Impfungen. Berlin: RKI. Abruf: 07.09.2026.
4. McNeil MM, Weintraub ES, Duffy J, et al. Risk of anaphylaxis after vaccination in children and adults. J Allergy Clin Immunol. 2016;137(3):868–878. doi:10.1016/j.jaci.2015.07.048.
5. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Vaccine Administration: After Giving Vaccine. Updated June 23, 2025. Abruf: 07.09.2026.
- Wir können keine Fragen zu spezifischen Patientenfällen, Produktempfehlungen oder off-label-Themen beantworten.
- Bitte geben Sie so viele Details wie möglich an, damit unsere Experten Ihnen die bestmögliche Antwort geben können. Achten Sie darauf, Ihre Frage klar und präzise zu formulieren.
- Seien Sie klar und spezifisch
- Geben Sie genügend Kontext, damit andere Ihre Frage leicht verstehen können.
- Beispiel: Anstatt "Welche Impfungen braucht man auf Reisen?" fragen Sie lieber "Welche Impfungen werden für eine Reise nach Südostasien empfohlen und was muss man beachten?"
- Halten Sie sich an unsere Richtlinien
- Vermeiden Sie Fragen zu Produkten, spezifischen Patientenfällen sowie off-label-Themen, da wir diese nicht beantworten dürfen.
- Beispiel: Anstatt "Kann ich Patient X Impfstoff Y verabreichen?" fragen Sie lieber "Welche Kontraindikationen muss ich bei einer Impfung gegen Grippe beachten?"
- Überprüfen Sie bestehende Fragen
- Nutzen Sie unsere automatischen Vorschläge bei Texteingabe, um die Doppelung von Fragen zu vermeiden.
Welche Impfungen werden Schwangeren ohne Vorerkrankungen empfohlen?
- Sie ist spezifisch und für ein breites Publikum geeignet.
- Sie vermeidet Fragen zu bestimmten Impfstoffen oder individuellen Patientenfällen.
- Sie konzentriert sich auf offizielle Empfehlungen und nicht auf persönliche Meinungen.
Warum diese Frage geeignet ist:
Oder stellen Sie Ihre Frage auf der Detailseite.
- Tipps für eine gute Frage – So formulieren Sie klar und präzise.
- Beispielfrage – Ein Muster für eine gut strukturierte Anfrage.
Dort finden Sie: