Impfstoffvorbereitung und Rekonstitution
Praxisnaher Überblick über die fachgerechte Vorbereitung und Rekonstitution von Impfstoffen für eine sichere Anwendung.
Eine sorgfältige Vorbereitung des Impfstoffs und der benötigten Materialien ist ein wichtiger Bestandteil des strukturierten Impfmanagements. Die Impfstoffvorbereitung sollte durch entsprechend geschultes medizinisches bzw. pharmazeutisches Personal erfolgen und als standardisierter Prozess im Qualitätsmanagement der Arztpraxis oder Apotheke etabliert sein. So können Anwendungsfehler vermieden und die Voraussetzungen für eine fachgerechte Verabreichung der Schutzimpfung geschaffen werden.
Zu einer sorgfältigen Vorbereitung gehört zunächst die Kontrolle des Impfstoffs: Es sollte geprüft werden, ob der richtige Impfstoff vorliegt, das Verfalldatum nicht überschritten und das Behältnis unversehrt ist. Zusätzlich ist der Impfstoff entsprechend den Angaben der jeweiligen Fachinformation visuell zu kontrollieren. Das normale Erscheinungsbild kann sich je nach Impfstoff unterscheiden – beispielsweise können Impfstoffe als klare Lösung, Suspension oder Emulsion vorliegen. Daher ist insbesondere auf vom produktspezifischen Erscheinungsbild abweichende Verfärbungen, Trübungen oder Partikel zu achten.1
Die richtigen Materialien bereithalten
Neben der Kontrolle des Impfstoffs gehört auch die Auswahl und Bereitstellung der benötigten Materialien zu einer sorgfältigen Impfstoffvorbereitung. Dazu zählen insbesondere eine geeignete Spritze und Kanüle sowie – sofern eine Rekonstitution erforderlich ist – das für den jeweiligen Impfstoff vorgesehene Lösungsmittel.
Eine besondere Bedeutung kommt der Auswahl der Kanüle zu. Ihre Länge und ihr Durchmesser sollten so gewählt werden, dass der Impfstoff entsprechend dem vorgesehenen Applikationsweg in das entsprechende Gewebe eingebracht werden kann. Die Auswahl richtet sich dabei insbesondere nach Applikationsweg und Injektionsstelle sowie dem Alter und den individuellen körperlichen Voraussetzungen der zu impfenden Person.2
Bei einer intramuskulären (i. m.) Impfung muss die Kanüle ausreichend lang sein, um das subkutane Fettgewebe zu durchdringen und den Impfstoff in das Muskelgewebe einzubringen. Bei einer subkutanen (s. c.) Impfung ist dagegen das Unterhautfettgewebe das vorgesehene Zielgewebe, weswegen auf eine kürzere Kanüle zurückgegriffen werden kann.
Eine Orientierung für die Auswahl geeigneter Kanülen bieten beispielsweise die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC):
Applikationsweg |
Alter / Gewicht |
Durchmesser und Länge Kanüle |
Injektionsstelle |
|---|---|---|---|
| Subkutan (s. c.) | Alle Altersgruppen | 23-25 G · 16 mm | Oberschenkel bei Säuglingen <12 Monaten1; äußerer Oberarm/Trizepsregion ab 12 Monaten |
| Intramuskulär (i. m.) | Neugeborene ≤28 Tage | 22-25 G · 16 mm2 | M. vastus lateralis, anterolateraler Oberschenkel |
| Säuglinge 1-11 Monate | 22-25 G · 25 mm | M. vastus lateralis, anterolateraler Oberschenkel | |
| Kinder 1-2 Jahre | 22-25 G · 25-32 mm | M. vastus lateralis, anterolateraler Oberschenkel3 | |
| 22-25 G · 16-25 mm2 | M. deltoideus, Oberarm | ||
| Kinder 3-10 Jahre | 22-25 G · 16-25 mm2 | M. deltoideus, Oberarm | |
| 22-25 G · 25-32 mm | M. vastus lateralis, anterolateraler Oberschenkel | ||
| Jugendliche 11-18 Jahre | 22-25 G · 16-25 mm2 | M. deltoideus, Oberarm3,5 | |
| Erwachsene ≥19 Jahre | 22–25 G | M. deltoideus, Oberarm3,5 | |
| ≤60 kg | 25 mm4 | ||
| 60-70 kg | 25 mm | ||
| Männer 70-118 kg | 25-38 mm | ||
| Frauen 70-90 kg | 25-38 mm | ||
| Männer >118 kg | 38 mm | ||
| Frauen >90 kg | 38 mm |
| Applikationsweg | Alter / Gewicht | Durchmesser und Länge Kanüle | Injektionsstelle |
|---|---|---|---|
| Subkutan (s. c.) | Alle Altersgruppen | 23-25 G · 16 mm | Oberschenkel bei Säuglingen <12 Monaten1; äußerer Oberarm/Trizepsregion ab 12 Monaten |
| Intramuskulär (i. m.) | Neugeborene ≤28 Tage | 22-25 G · 16 mm2 | M. vastus lateralis, anterolateraler Oberschenkel |
| Säuglinge 1-11 Monate | 22-25 G · 25 mm | M. vastus lateralis, anterolateraler Oberschenkel | |
| Kinder 1-2 Jahre | 22-25 G · 25-32 mm | M. vastus lateralis, anterolateraler Oberschenkel3 | |
| 22-25 G · 16-25 mm2 | M. deltoideus, Oberarm | ||
| Kinder 3-10 Jahre | 22-25 G · 16-25 mm2 | M. deltoideus, Oberarm | |
| 22-25 G · 25-32 mm | M. vastus lateralis, anterolateraler Oberschenkel | ||
| Jugendliche 11-18 Jahre | 22-25 G · 16-25 mm2 | M. deltoideus, Oberarm3,5 | |
| Erwachsene ≥19 Jahre | 22–25 G | M. deltoideus, Oberarm3,5 | |
| ≤60 kg | 25 mm4 | ||
| 60-70 kg | 25 mm | ||
| Männer 70-118 kg | 25-38 mm | ||
| Frauen 70-90 kg | 25-38 mm | ||
| Männer >118 kg | 38 mm | ||
| Frauen >90 kg | 38 mm |
¹ Bei Bedarf kann bei Säuglingen auch die äußere Trizepsregion verwendet werden.
² Bei 16 mm: Haut straff spannen und subkutanes Gewebe nicht zusammenfassen.
³ Bevorzugte Injektionsstelle.
⁴ Bei Erwachsenen ≤60 kg nennen einige Expert*innen auch 16 mm; hierbei muss die Haut straff gespannt und das subkutane Gewebe nicht zusammengefasst werden.
⁵ Der M. vastus lateralis am anterolateralen Oberschenkel kann ebenfalls verwendet werden. Bei den meisten Jugendlichen und Erwachsenen sind hierfür 25–38 mm erforderlich
Die Angaben in der Tabelle dienen als Orientierung und basieren auf den Empfehlungen der US-amerikanischen CDC.2
Impfstoff für die Anwendung vorbereiten
Je nach Impfstoff können sich Darreichungsform und erforderliche Vorbereitung unterscheiden. Einige Impfstoffe liegen bereits gebrauchsfertig vor, während andere vor der Anwendung rekonstituiert werden müssen.
Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung zur fachgerechten Vorbereitung eines Impfstoffs, NP-DE-VX-VID-220003
Bei der Rekonstitution wird eine Impfstoffkomponente – beispielsweise ein gefriergetrockneter (lyophilisierter) Impfstoff – mit dem dafür vorgesehenen Lösungsmittel zusammengeführt. Lösungsmittel sind auf den jeweiligen Impfstoff abgestimmt und können sich beispielsweise in Zusammensetzung und Volumen unterscheiden. Die konkrete Durchführung der Rekonstitution sowie die anschließende Handhabung des Impfstoffs richten sich nach den Angaben der jeweiligen Fachinformation bzw. des Herstellers.3
Rekonstitution Schritt für Schritt
Abbildung 1: Beispielhafte Darstellung der einzelnen Schritte bei der Rekonstitution eines Impfstoffs. Wichtig: Der Impfstoff wird zur Rekonstitution vorsichtig geschwenkt und nicht geschüttelt.
Wichtig: Ausschließlich das für den jeweiligen Impfstoff vorgesehene Lösungsmittel verwenden. Die konkrete Rekonstitution und weitere Handhabung richten sich nach den Angaben der jeweiligen Fachinformation.
Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung zur fachgerechten Rekonstitution eines Impfstoffs, NP-DE-VX-VID-220004
Fehlerquellen bei der Impfstoffvorbereitung vermeiden
Besondere Aufmerksamkeit sollte bei der Impfstoffvorbereitung unter anderem den folgenden Punkten gelten:1
- Verwechslungen vermeiden: Impfstoff, Darreichungsform und ggf. zugehöriges Lösungsmittel vor der Vorbereitung eindeutig überprüfen.
- Ablenkungen reduzieren: Impfstoffe möglichst in einem dafür vorgesehenen, ruhigen Arbeitsbereich vorbereiten.
- Aufgezogene Impfstoffe kennzeichnen: Insbesondere bei der Vorbereitung mehrerer Impfstoffe muss eine eindeutige Zuordnung gewährleistet sein.
- Restmengen nicht zusammenführen: Teilmengen aus verschiedenen Durchstechflaschen dürfen nicht zu einer vollständigen Impfstoffdosis kombiniert werden.
- Verwendungsdauer beachten: Produktspezifische Vorgaben nach Rekonstitution, Anbruch oder Vorbereitung müssen eingehalten werden.
Wichtig: Impfstoffe sollten möglichst zeitnah zur geplanten Anwendung vorbereitet werden.
Referenzen
1. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Vaccine Storage and Handling Toolkit. Atlanta: CDC; July 2026.
2. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Vaccine Administration: Needle Gauge and Length. Atlanta: CDC; 2026.
3. World Health Organization (WHO). WHO guidance note: Vaccine diluents – The Proper Handling and Use of Vaccine Diluents. Geneva: WHO; 2015
Abbildung:
Abbildung 1: Beispielhafter Ablauf der Rekonstitution eines Impfstoffs. Bildquelle: GSK owned; Bild 1: ASSET-1907344, Bild 2: ASSET-1907345, Bild 3: ASSET-1907346, Bild 4: ASSET-1907347, Bild 5: ASSET-1907348, Bild 6: ASSET-1907349. a
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