Häufige Fragen, kompakte Antworten: Alles Wichtige rund um Impfungen im Praxisalltag

Ein strukturiertes und effizientes Impfmanagement ist ein zentraler Baustein einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung. Es entlastet den Praxisalltag, schafft Sicherheit und fördert klare Abläufe im gesamten Praxisteam. Insbesondere angesichts komplexer und sich regelmäßig ändernder Impfempfehlungen, unterschiedlicher Impfstoffarten und organisatorischer Anforderungen ist aktuelles, fundiertes Wissen unerlässlich. 


Damit Sie in Ihrer Praxis immer auf dem aktuellen Stand sind, haben wir Ihnen hier die häufigsten Fragen rund ums Impfmanagement kompakt und praxisnah beantwortet. Ziel ist es, Ihnen Sicherheit zu geben und Sie dabei zu unterstützen, Impfungen effizient und im Sinne des bestmöglichen Schutzes Ihrer Patientinnen und Patienten umzusetzen.

11. Februar 2026
Lesedauer: 6 Min.
Grafik von einem Finger, der auf einen Q&A-Button zeigt
  • Was sind delegierbare Aufgaben an MFA?

    Medizinisches Fachpersonal darf nach entsprechender Ausbildung die Verabreichung der Impfung durchführen, sofern dies durch die Ärztin oder den Arzt angeordnet wurde. 

     

    Die Erhebung der Anamnese sowie die Prüfung von Indikationen und Kontraindikationen muss jedoch die Ärztin oder der Arzt selbst durchführen. Dies gilt auch für die ordnungsgemäße Aufklärung der Patientin oder des Patienten, die Überwachung und die Dokumentation der Impfung, wobei MFA natürlich unterstützen können. Weiterhin sollte die Ärztin, bzw. der Arzt bei der Impfung anwesend sein, da sie oder er letztendlich die Haftung und Verantwortung trägt.

     

    Quelle: Epid Bull 2026;4:1-79 | DOI 10.25646/13636.2

  • Wo finde ich seriöse Informationsquellen zum Impfen?

    Einen guten Überblick bietet die Website des Robert Koch-Instituts (RKI):

    RKI - Impfen: Dort sind Informationen zu allen Impfungen und den relevantesten Infektionserkrankungen zusammengetragen 

    RKI - Impfkalender: Außerdem werden die aktuellen Impfempfehlungen aufgeführt und in Form eines Impfkalenders anschaulich dargestellt 

    RKI - Informationsmaterialien zum Impfen - Kurz & Knapp: Faktenblätter zum Impfen: Sehr hilfreich sind dabei auch die Faktenblätter des RKI, welche eine kompakte und gut verständliche Informationsquelle zur Weitergabe an Patientinnen und Patienten darstellen

     

    Die Impfakademie - Ihr Fachportal rund ums Impfen: Natürlich bietet auch die Impfakademie auf Ihrer Webseite zahlreiche Informationen in verschiedenen Formaten wie Artikeln, Handouts, Wissens-Hubs oder Multimedia-Content an.


    Für Informationen zu Reiseimpfungen sind beispielsweise die Webseite des RKI (RKI - Reiseimpfungen), des Tropeninstituts (Reisemedizin, Malaria, Impfungen, 350 Reiseziele, Tropenkrankheiten, Dengue, Mückenschutz, Tollwut) oder des Centrums für Reisemedizin (Startseite - CRM - Centrum für Reisemedizin) zu nennen.

  • Impfabstände – jede Impfung zählt?

    Im Alltag kann es passieren, dass Grundimmunisierungen unterbrochen oder Termine zu Nachholimpfungen verpasst werden. Hier stellt sich oft die Frage, ob die Grundimmunisierung dann von vorn begonnen werden muss. 

    Die STIKO positioniert sich dazu sehr klar. Sofern die Mindestabstände zwischen den Impfungen nicht unterschritten wurden, gilt: Jede Impfung zählt! 

    Das heißt, dass auch bei großen Abständen die Impfserie nicht von vorn begonnen werden muss, sondern zum nächstmöglichen Zeitpunkt die nächste Impfung appliziert werden darf. 

     

    Hinweis: Für einige Impfungen, die nur bis zu einem bestimmten Alter empfohlen werden, z.B. Rotavirus-Impfung für Säuglinge kann das jedoch bedeuten, dass die Grundimmunisierung nicht fortgesetzt wird, wenn die entsprechende Altersgrenze überschritten wurde.

     

    Quelle: Epid Bull 2026;4:1-79 | DOI 10.25646/13636.2 Epidemiologisches Bulletin 4/2026

  • Was ist zu tun, wenn der Impfausweis verloren gegangen ist?

    Die STIKO empfiehlt in diesem Fall, dass alle nicht dokumentierten Impfungen, die für diese Person empfohlen sind, wiederholt, bzw. durchgeführt werden sollten. 

    Das Ziel ist es hier, die entsprechende Person bestmöglich vor Infektionen zu schützen. Serologische Kontrollen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, da diese eine vorausgegangene Impfung nicht sicher beweisen können. Im Zweifel erneut durchgeführte Impfungen haben möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko für lokale Reaktionen, der Gewinn durch den zuverlässigen Impfschutz überwiegt diesem Risiko jedoch. Und auch die rechtliche Absicherung hat die Ärztin oder der Arzt nur, wenn die Impfung durchgeführt und sich nicht allein auf die mündliche Aussage der Patientin oder des Patienten verlassen wird.

     

    Quelle: RKI - Impfthemen A-Z - Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Impfen

  • Was ist der Unterschied zwischen aktiver und passiver Immunisierung?

    Eine aktive Immunisierung – auch Impfung genannt – ist die Verabreichung eines abgeschwächten oder inaktivierten Krankheitserregers oder von Teilen dieses Erregers zur Anregung des Immunsystems. Der Körper bildet dadurch selbst Antikörper und entwickelt so eine meist länger anhaltende Immunität. Zur aktiven Immunisierung werden in den meisten Fällen Lebend-, oder Totimpfstoffe sowie moderne genbasierte Impfstoffe (z.B. mRNA-Impfstoffe) eingesetzt.

     

    Die passive Immunisierung ist streng genommen keine echte Impfung, sie wird jedoch umgangssprachlich teilweise auch als solche bezeichnet, da es sich oft auch um eine intramuskuläre Injektion handelt. Bei der passiven Immunisierung werden Antikörper verabreicht, welche kurzfristig Schutz vor einer Infektionskrankheit bieten, jedoch nicht zu langfristiger körpereigener Immunantwort führen. Ein Beispiel dafür ist die RSV-Prophylaxe bei Säuglingen. 

     

    Quelle: Immunisierung - DocCheck Flexikon

  • Was sind Lebendimpfstoffe, was sind Totimpfstoffe?

    Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe gehören beide in die Rubrik der aktiven Immunisierung. 

     

    Lebendimpfstoffe enthalten echte Krankheitserreger, die sich prinzipiell vermehren könnten, jedoch abgeschwächt wurden. Sie rufen daher eine sehr stark abgeschwächte Infektion hervor und bieten oft schon ab der ersten Impfung Impfschutz. Teilweise werden trotzdem zwei Impfungen empfohlen, um auch einzelne Impfversager zu erreichen. 

    In den meisten Fällen startet man mit der Verabreichung von Lebendimpfstoffen ab einem Alter 11 Monaten. Hintergrund ist der, dass vorher im menschlichen Körper noch mütterliche Antikörper vorhanden sind, die den Impferfolg einschränken könnten. Die Rotavirus-Schluckimpfung stellt eine Ausnahme dar. 

    Sollten Nebenwirkungen bei Lebendimpfungen auftreten, erscheinen diese in der Regel circa 1 bis 2 Wochen nach der Impfung. 

    Lebendimpfungen dürfen nicht in der Schwangerschaft oder bei Immunsuppression appliziert werden. 

     

    Der Begriff Totimpfstoffe fasst eine ganze Gruppe von Impfstoffen zusammen, die gemeinsam haben, dass sie meist aus inaktivierten Krankheitserregern, Erregerbestandteilen oder inaktivierten Toxinen bestehen, bzw. wie solche wirken. Sie können keine Erkrankung hervorrufen und sind daher bei Indikation auch in der Schwangerschaft oder unter Immunsuppression möglich. Weiterhin dürfen sie schon in den ersten Monaten nach der Geburt verabreicht werden. 

    Sollten Nebenwirkungen bei Totimpfstoffen auftreten, erscheinen diese in der Regel circa 48 bis 72 Stunden nach der Impfung.

     

    Quelle: Impfung - DocCheck Flexikon

  • Können Impfungen gleichzeitig verabreicht werden?

    Tatsächlich dürfen die meisten Impfungen miteinander kombiniert werden. Dieses Prinzip wird auch als Koadministration bezeichnet und bietet im Praxisalltag einige Vorteile. Es hilft dabei, den bestmöglichen Impfschutz schnell zu erreichen und spart zusätzliche Arzttermine. 

     

    Generell gilt, sofern nichts anderes in der Fachinformation steht:

    • Lebendimpfstoffe können entweder gleichzeitig, oder im Abstand von mindestens 4 Wochen appliziert werden.
    • Totimpfungen können gleichzeitig sowie auch gleichzeitig mit Lebendimpfungen durchgeführt werden. Sollten Totimpfungen nicht am selben Tag erfolgen, dann ist kein Mindestabstand einzuhalten, auch nicht zu Lebendimpfstoffen.
    Grundregeln_Koadministration

    Tritt eine Impfreaktion auf – wie es in seltenen Fällen möglich ist – sollte diese vor erneuter Impfung abgeklungen sein.

    Für weiterführende Informationen lohnt sich immer auch ein Blick in die Fachinformationen der verwendeten Impfstoffe.

     

    Quelle: RKI - Impfthemen A-Z - Impfschema: Häufig gestellte Fragen und Antworten

  • Wann darf nicht geimpft werden?

    In den allermeisten Fällen darf geimpft werden, echte Kontraindikationen, die gegen das Impfen sprechen, gibt es nur wenige. Im Aufklärungsgespräch vor jeder Impfung sollten jedoch einige Fakten abgefragt werden, die gegen eine Impfung sprechen. Nicht geimpft werden sollte:

    • im Falle einer schweren akuten Erkrankung, bzw. bei Fieber ≥ 38,5°C oder
    • bei schweren Allergien gegen Impfstoffbestandteile.

    Lebendimpfstoffe sind zudem in der Schwangerschaft oder bei Immunsuppression kontraindiziert. 

    Das Faktenblatt „Falsche und richtige Kontraindikationen bei Impfungen“ des Robert Koch-Instituts liefert eine kompakte Übersicht zu diesem Thema. 

     

    Quelle: RKI - Faktenblätter zum Impfen

  • Kann ich überimpfen – eine Impfung zu häufig geben?

    Teilweise gibt es Indikationen, die einzelne Impfungen häufiger erforderlich machen, als es das Impfschema vorgesehen hätte. Üblicherweise stellen diese zusätzlichen Impfdosen kein erhöhtes Risiko dar. 

     

    Quelle: Epid Bull 2026;4:1-79 | DOI 10.25646/13636 Epidemiologisches Bulletin 4/2026

  • Wie impfe ich Patient*innen mit Gerinnungsstörung?

    Bei Gerinnungsstörungen besteht die Möglichkeit, Impfungen subkutan (s.c.) anstatt intramuskulär (i.m.) zu verabreichen. Hierzu sollte die jeweilige Fachinformation des verwendeten Impfstoffs zurate gezogen, bzw. ein Impfstoff verwendet werden, der für die s.c.-Applikation zugelassen ist. 

    In Einzelfällen kann nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung auch eine i.m.-Injektion mit sehr feiner Kanüle und fester Kompression über mindestens 2 Minuten nach der Impfung erwogen werden. 

     

    Quelle: RKI - Impfthemen A-Z - Kontraindikationen zur Durchführung von Impfungen: Häufig gestellte Fragen und Antworten

  • Soll ich beim Impfen aspirieren?

    Die STIKO empfiehlt in ihren Hinweisen zur Schmerz- und Stressreduktion beim Impfen, beim Impfen nicht zu aspirieren. Im Bereich um die Injektionsstellen von Impfungen liegen nur sehr kleine Blutgefäße, welche eine versehentliche intravenöse Verabreichung des Impfstoffs nicht bedingen können. Der Verzicht auf die Aspiration soll die Schmerzen während der Impfung reduzieren.

    Eine Ausnahme bietet hier die COVID-19-Impfung, wo zur weiteren Erhöhung der Impfstoffsicherheit aspiriert werden soll.

     

    Quelle: RKI - Impfthemen A-Z - Warum hat die STIKO empfohlen, auf eine Aspiration bei der Injektion von Impfstoffen zu verzichten?RKI-Faktenblatt zur COVID-19-Impfung bei Erwachsenen

  • Wann werden Impfungen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen?

    Grundsätzlich werden alle Impfungen, die von der STIKO empfohlen werden, auch von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Nach einer neuen STIKO-Empfehlung oder der Änderung einer solchen Empfehlung dauert es jedoch einige Monate, bis der Prozess in allen Instanzen verabschiedet wurde und in der Praxis eine Abrechnung über die Chipkarte möglich ist. 

    Nach Veröffentlichung einer neuen STIKO-Empfehlung veröffentlicht der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Stellungnahme zu dieser neuen Empfehlung. Diese wird in den folgenden Wochen durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geprüft. Im weiteren Verlauf wird die neue Impfempfehlung im Rahmen der Schutzimpfungsrichtlinie im Bundesanzeiger veröffentlicht. Dadurch wird die Impfung Pflichtleistung für die gesetzlichen Krankenkassen. Es folgen Verhandlungen der Krankenkassen mit den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen der Bundesländer, welche in regionalen Impfvereinbarungen gipfeln, um die Abrechnung über die Chipkarte schließlich zu gewährleisten. 

    Private Krankenkassen erstatten die Impfungen oft bereits ab der neuen STIKO-Empfehlung.

Erwachsene
Impfmanagement
Grundlagen Impfung
Haben Sie eine Frage an unsere Experten?
Nutzen Sie das kurze Formular hier, um Ihre Frage schnell einzureichen.
Wichtiger Hinweis
  • Wir können keine Fragen zu spezifischen Patientenfällen, Produktempfehlungen oder off-label-Themen beantworten.
  • Bitte geben Sie so viele Details wie möglich an, damit unsere Experten Ihnen die bestmögliche Antwort geben können. Achten Sie darauf, Ihre Frage klar und präzise zu formulieren.
Tipps für eine gute Frage
  1. Seien Sie klar und spezifisch
    • Geben Sie genügend Kontext, damit andere Ihre Frage leicht verstehen können.
    • Beispiel: Anstatt "Welche Impfungen braucht man auf Reisen?"  fragen Sie lieber "Welche Impfungen werden für eine Reise nach Südostasien empfohlen und was muss man beachten?"
  2. Halten Sie sich an unsere Richtlinien
    • Vermeiden Sie Fragen zu Produkten, spezifischen Patientenfällen sowie off-label-Themen, da wir diese nicht beantworten dürfen.
    • Beispiel: Anstatt "Kann ich Patient X Impfstoff Y verabreichen?"  fragen Sie lieber "Welche Kontraindikationen muss ich bei einer Impfung gegen Grippe beachten?"
  3. Überprüfen Sie bestehende Fragen
    • Nutzen Sie unsere automatischen Vorschläge bei Texteingabe, um die Doppelung von Fragen zu vermeiden.
Beispielfrage

Welche Impfungen werden Schwangeren ohne Vorerkrankungen empfohlen?

    Warum diese Frage geeignet ist:

  • Sie ist spezifisch und für ein breites Publikum geeignet.
  • Sie vermeidet Fragen zu bestimmten Impfstoffen oder individuellen Patientenfällen.
  • Sie konzentriert sich auf offizielle Empfehlungen und nicht auf persönliche Meinungen.
Überprüfen Sie unsere beantworteten Fragen, um Duplikate zu vermeiden.
  • Wenn Sie auf eine Frage klicken, wird diese in einem neuen Tab geöffnet, damit Sie sie überprüfen können.
  • Ihr Fortschritt wird gespeichert, damit Sie zurückkommen und weitermachen können.

Oder stellen Sie Ihre Frage auf der Detailseite.

    Dort finden Sie:

  • Tipps für eine gute Frage – So formulieren Sie klar und präzise.
  • Beispielfrage – Ein Muster für eine gut strukturierte Anfrage.
Zur Detailseite