Impfmanagement in der Apotheke: Zuständigkeiten und Delegation

Organisation und Zuständigkeiten für ein sicheres und effizientes Impfmanagement in der Apotheke.  

1. September 2026
Lesedauer: 8 Min.
Apothekenteam lächelt in die Kamera

Ein strukturiertes Impfmanagement in der Apotheke

Mit der Möglichkeit zur Durchführung von Schutzimpfungen in öffentlichen Apotheken hat sich das Aufgabenspektrum der Apotheke deutlich erweitert. Apotheken können einen zusätzlichen, niedrigschwelligen Zugang zu Schutzimpfungen ermöglichen und damit einen wichtigen Beitrag zur Prävention und zur Erhöhung der Impfquoten leisten. Ein Impfmanagement mit klaren Zuständigkeiten, standardisierten Abläufen und sorgfältiger Dokumentation bildet dabei die Grundlage für eine sichere und effiziente Durchführung im Apothekenalltag.

Ein strukturierter Prozess könnte so aussehen:

Grafik : Prozessschritte eines gelungenen Impfmanagements

Abbildung 1: Prozessschritte eines gelungenen Impfmanagements

Für einen strukturierten Impfprozess sollten Standardarbeitsanweisungen (SOPs) erstellt und im Apothekenteam etabliert werden. Sie sollen die einzelnen Prozessschritte nachvollziehbar beschreiben und die Verantwortlichkeiten eindeutig festlegen. Dadurch helfen sie bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitender und unterstützen zugleich die Sicherstellung gleichbleibender Qualitätsstandards.

 

Welche Patientinnen und Patienten spreche ich an?

Ein wirksames Impfmanagement beginnt bereits mit der Ansprache der Patientinnen und Patienten hinsichtlich ihres Impfstatus. Dabei kann prinzipiell jeder Kontakt mit volljährigen Personen genutzt werden, um auf bestehende Impfangebote aufmerksam zu machen oder auf ausstehende Auffrischungsimpfungen hinzuweisen. Überlegen Sie sich im Team, welche Patientinnen und Patienten Sie ansprechen bzw. welche Situationen Sie für die aktive Ansprache von Impfungen nutzen möchten.

Besonders geeignet sind Situationen wie:

  • Abgabe von Dauermedikationen, die Hinweise auf mögliche Impfindikationen geben, z. B. auf impfrelevante Grunderkrankungen
  • Saisonale Impfkampagnen, z. B. zur Influenza- oder RSV-Saison
  • Beratungsanfragen, die auf einen Impfbedarf hinweisen, z. B. Anfragen zu einer „Reiseapotheke“ für eine geplante Reise

Gerade saisonale Anlässe wie die Erkältungszeit im Herbst bieten Möglichkeiten, impfpräventive Maßnahmen aktiv anzusprechen oder entsprechende Impfkampagnen – beispielsweise unterstützt durch Flyer und Poster – zu starten. 

 

Benennung einer impfverantwortlichen Person

Für ein effizienten und sicheren Impfprozess empfiehlt es sich, innerhalb des Teams klar definierte Zuständigkeiten zu etablieren. Besonders hilfreich kann es sein, eine impfverantwortliche Person sowie eine Vertretung zu benennen, die organisatorische Aufgaben koordinieren und als zentrale Ansprechperson fungieren. Basierend auf den Empfehlungen des RKI und den Anforderungen für impfende Apotheken können dazu unter anderem folgende Aufgaben gehören:

  • Organisation und Koordination der Impfangebote
  • Durchführung der Impf- und Leistungsdokumentation sowie erforderlicher Meldeprozesse
  • Sicherstellung der fachgerechten Lagerung und Temperaturüberwachung
  • Überwachung von Lagerbeständen (Verfallskontrolle, Bestellung, …)
  • Schulung und Einweisung des Apothekenteams
  • Überprüfung von Routine- und Notfallabläufen
  • Betreuung von Recall- und Terminsystemen 

Eine solche Aufgabenverteilung schafft Transparenz und Verlässlichkeit im Team und unterstützt die sichere Durchführung der Impfprozesse. Gleichzeitig fügt sie sich in das Qualitätsmanagementsystem der Apotheke ein.

 

Qualifikation und Delegation

Die Durchführung von Schutzimpfungen in öffentlichen Apotheken setzt eine entsprechende ärztliche Schulung voraus. Apothekerinnen und Apotheker dürfen seit 2026 alle Schutzimpfungen mit Nicht-Lebendimpfstoffen bei erwachsenen Personen durchführen, sofern sie die gesetzlich vorgesehenen Schulungen gemäß Mustercurriculum erfolgreich absolviert haben. Die Schulung umfasst insbesondere Kenntnisse zur Aufklärung, Anamnese, Impfberatung, Einwilligung, zum Umgang mit Kontraindikationen sowie zu Notfallmaßnahmen bei akuten Impfreaktionen. 

Darüber hinaus können ärztlich geschulte pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten (PTA), Pharmazieingenieure und -ingenieurinnen sowie Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) unter Aufsicht die Verabreichung des Impfstoffs übernehmen. Nicht delegierbar bleiben jedoch die Aufklärung, die Anamnese, die Einholung der Einwilligung sowie die Impfdokumentation. Diese Aufgaben liegen weiterhin in der Verantwortung der Apothekerin bzw. des Apothekers. 

Regelmäßige Fort- und Weiterbildungen tragen dazu bei, die fachliche Kompetenz des gesamten Teams aufrecht zu erhalten und die Qualität des Impfangebots langfristig zu sichern.

Delegierbare Aufgaben*  Nicht delegierbare Aufgaben** 
  • Ansprache von Patient*innen
  • Terminvereinbarungen
  • Kontrolle des Impfausweises
  • Abgabe von Informationsmaterial
  • Vorbereitung der Impfung
  • Durchführung der Impfung
  • Eintrag im Impfausweis
  • Überwachung des Impfstoffvorrats
  • Erinnerung an Folgeimpfungen 
  • Anamnese/Untersuchung
  • Ausschluss von Kontraindikationen
  • Impfaufklärung
  • Einholen der Einwilligung 
  • Unterschrift im Impfausweis 
Delegierbare Aufgaben*  Nicht delegierbare Aufgaben** 
  • Ansprache von Patient*innen
  • Terminvereinbarungen
  • Kontrolle des Impfausweises
  • Abgabe von Informationsmaterial
  • Vorbereitung der Impfung
  • Durchführung der Impfung
  • Eintrag im Impfausweis
  • Überwachung des Impfstoffvorrats
  • Erinnerung an Folgeimpfungen 
  • Anamnese/Untersuchung
  • Ausschluss von Kontraindikationen
  • Impfaufklärung
  • Einholen der Einwilligung 
  • Unterschrift im Impfausweis 

* an entsprechend geschultes Personal

** Aufgabe von Apotheker/Apothekerin 

 

Termin- und Recall-Management gezielt nutzen

Gerade beim Thema Impfen in Apotheken hilft auch eine strukturierte Terminplanung. Sie ermöglicht eine bedarfsgerechte Planung von Personal, Räumlichkeiten und Impfstoffbeständen und kann dazu beitragen, unnötigen Verwurf zu vermeiden. Die Verfügbarkeit der benötigten Impfstoffe sollte zudem regelmäßig geprüft werden, um mögliche Lieferengpässe frühzeitig zu erkennen und bei der Planung berücksichtigen zu können. Patientinnen und Patienten führen ihren Impfausweis derzeit bei Besuchen in der Apotheke meist nicht mit sich. Folglich kann in vielen Beratungssituationen nur auf empfohlene Impfungen hingewiesen werden, die tatsächliche Indikationsstellung kann jedoch erst erfolgen, wenn der Impfausweis zu einem vereinbarten Termin mitgebracht wird.

Darüber hinaus können Erinnerungs- und Recall-Systeme dazu beitragen, impfwillige Personen rechtzeitig an notwendige Folge- oder Auffrischungsimpfungen zu erinnern. Dies kann schriftlich, telefonisch oder elektronisch erfolgen, sofern die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Hinweise auf erforderliche Folgeimpfungen sollten bereits Bestandteil der Impfaufklärung und -dokumentation sein.

 

Dokumentation und Meldepflichten zuverlässig erfüllen

Nach erfolgter Impfung ist eine vollständige Dokumentation verpflichtend. Jede Impfung muss unverzüglich im Impfausweis, der elektronischen Patientenakte (ePA) oder in einer Impfbescheinigung dokumentiert werden. Darüber hinaus sind Anamnese, Aufklärung, Einwilligung und Impfdokumentation für mindestens zehn Jahre aufzubewahren. 

Zusätzlich sind die erforderlichen Daten zu den durchgeführten Schutzimpfungen an das RKI zu übermitteln. Für Verdachtsfälle von Impfkomplikationen oder unerwünschten Arzneimittelwirkungen gelten darüber hinaus entsprechende Meldepflichten. Die hierfür erforderlichen Dokumentations- und Meldeprozesse sollten daher fest in die organisatorischen Abläufe der Apotheke integriert werden.

Praxistipps für den Apothekenalltag

  • Impfstatus regelmäßig aktiv ansprechen
  • Standardisierte Checklisten nutzen
  • Verantwortlichkeiten schriftlich festhalten
  • Digitale Recall-Systeme etablieren
  • Regelmäßige Teamschulungen durchführen
  • Saisonale Impfkampagnen gemeinsam planen

Zu guter Letzt gehört zu einem sicheren Impfmanagement in der Apotheke auch ein strukturiertes Notfallmanagement. Das gesamte Apothekenpersonal sollte mit den festgelegten Notfallabläufen vertraut und entsprechend eingewiesen sein.

Referenzen

1. Leitlinie der Bundesapothekerkammer zur Qualitätssicherung: Durchführung von Schutzimpfungen in öffentlichen Apotheken, Stand der Revision: 12.09.2025 (verfügbar unter https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Praktische_Hilfen/Leitlinien/Schutzimpfungen/LL_Schutzimpfungen_Apotheke.pdf, abgerufen am 18.08.2026)

2. Kommentar zur Leitlinie der Bundesapothekerkammer zur Qualitätssicherung: Durchführung von Schutzimpfungen in öffentlichen Apotheken, Stand der Revision: 12.09.2025 (verfügbar unter https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Praktische_Hilfen/Leitlinien/Schutzimpfungen/LL_Schutzimpfungen_Apotheke_Kommentar.pdf, abgerufen am 18.08.2026

3. Bundesgesetzblatt Nr. 195: Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz – ApoVWG), Vom 26. Juni 2026 (verfügbar unter https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/195/VO.html, abgerufen am 18.08.2026)  

4. Epid Bull 2026;4:1-79 | DOI 10.25646/13636.2

Impfmanagement
Apotheke
Haben Sie eine Frage an unsere Experten?
Nutzen Sie das kurze Formular hier, um Ihre Frage schnell einzureichen.
Wichtiger Hinweis
  • Wir können keine Fragen zu spezifischen Patientenfällen, Produktempfehlungen oder off-label-Themen beantworten.
  • Bitte geben Sie so viele Details wie möglich an, damit unsere Experten Ihnen die bestmögliche Antwort geben können. Achten Sie darauf, Ihre Frage klar und präzise zu formulieren.
Tipps für eine gute Frage
  1. Seien Sie klar und spezifisch
    • Geben Sie genügend Kontext, damit andere Ihre Frage leicht verstehen können.
    • Beispiel: Anstatt "Welche Impfungen braucht man auf Reisen?"  fragen Sie lieber "Welche Impfungen werden für eine Reise nach Südostasien empfohlen und was muss man beachten?"
  2. Halten Sie sich an unsere Richtlinien
    • Vermeiden Sie Fragen zu Produkten, spezifischen Patientenfällen sowie off-label-Themen, da wir diese nicht beantworten dürfen.
    • Beispiel: Anstatt "Kann ich Patient X Impfstoff Y verabreichen?"  fragen Sie lieber "Welche Kontraindikationen muss ich bei einer Impfung gegen Grippe beachten?"
  3. Überprüfen Sie bestehende Fragen
    • Nutzen Sie unsere automatischen Vorschläge bei Texteingabe, um die Doppelung von Fragen zu vermeiden.
Beispielfrage

Welche Impfungen werden Schwangeren ohne Vorerkrankungen empfohlen?

    Warum diese Frage geeignet ist:

  • Sie ist spezifisch und für ein breites Publikum geeignet.
  • Sie vermeidet Fragen zu bestimmten Impfstoffen oder individuellen Patientenfällen.
  • Sie konzentriert sich auf offizielle Empfehlungen und nicht auf persönliche Meinungen.
Überprüfen Sie unsere beantworteten Fragen, um Duplikate zu vermeiden.
  • Wenn Sie auf eine Frage klicken, wird diese in einem neuen Tab geöffnet, damit Sie sie überprüfen können.
  • Ihr Fortschritt wird gespeichert, damit Sie zurückkommen und weitermachen können.

Oder stellen Sie Ihre Frage auf der Detailseite.

    Dort finden Sie:

  • Tipps für eine gute Frage – So formulieren Sie klar und präzise.
  • Beispielfrage – Ein Muster für eine gut strukturierte Anfrage.
Zur Detailseite