Hühnereiweißallergie: Sind alle Impfungen möglich?

Allergien auf Impfstoffbestandteile, wie z.B. Hühnereiweiß (Prävalenz
0,2 - 7 %), müssen zwar beachtet werden, stellen aber nur in seltenen Fällen eine Kontraindikation dar.

20. Oktober 2022
Lesedauer: 1 Min.
Eine Person hat einen Eierkarton in der Hand

Eine Sensibilisierung ist deutlich häufiger als eine allergische Reaktion1. Eine IgE-Antwort auf Impfantigene ist darüber hinaus meist unabhängig von klinisch allergischen Reaktionen zu betrachten und kann als normale Impfreaktion angesehen werden2.

Außerdem werden nur wenige Impfstoffe unter Verwendung von Hühnerembryonen hergestellt, wie z.B. die Gelbfieberimpfung oder Influenza-Impfstoffe. Beide Impfstoffe können relevante Mengen von Hühnereiweiß aufweisen, so dass diese lt. Fachinformation. kontraindiziert sind. Während der Gelbfieber-Impfstoff höhere Mengen enthalten kann, liegen diese bei den Influenza-Impfstoffen im Mikrogrammbereich. Bei der Gelbfieberimpfung sollte deshalb die Indikation zurückhaltend und nur bei absoluter Dringlichkeit gestellt, sowie eine allergologisch versierte Impfstelle mit Möglichkeit zur Notfallintervention aufgesucht werden1,3. Hingegen kann bei der Influenza-Impfung auf hühnereiweißfreie Impfstoffe, die mit humanen Zelllinien oder rekombinant hergestellt werden, ausgewichen werden4.

Übersicht Ovalbumingehalt in Impfstoffen:

Impfstoff Ovalbumingehalt im Ø NW-Risiken bei Allergikern Kontraindikation bei Impfung
Gelbfieber ≤ 1600 µg Hoch  Ja 
Influenza ≤ 1 µg Gering Ja 
FSME ≤ 0,001 µg Sehr gering Ja, nur bei nachgewiesen schwerer Allergie gegen Ovalbumin mit klinischen Symptomen
Tollwut
Masern, Mumps Nein

nach C. Gruber et. al., Positionspapier GPA, Pädiatrische. Allergologie, Sonderheft „Allergie und Impfen“, 2015.

Entscheidend ist im Falle einer Hühnereiweißallergie auch, ob der Impfstoff aus Hühnerembryonen oder aber auf Hühnerfibroblasten gewonnen wurde. Diese Vakzine unterscheiden sich signifikant in ihrem Hühnereiweißgehalt.

So werden die Impfstoffe gegen MMR, Tollwut und FSME mithilfe von Hühner-Fibroblasten hergestellt, enthalten meist nur Spuren von Hühnereiweiß (im Nanogramm-Bereich) und verfügen prinzipiell über kein allergisierendes Potential4,5. Die Hühnereiweißallergie wird auch in internationalen und nationalen Leitlinien diesbezüglich nicht mehr als Kontraindikation genannt. Deshalb kann der MMR-Impfstoff i.d.R. problemlos verabreicht werden.

Menschen mit einer Hühnereiweißallergie, die sich ausschließlich auf der Haut manifestiert, können aufgrund der geringen Allergenmenge im Impfstoff unter Standardbedingungen gegen MMR geimpft werden4. Nur Personen mit klinisch sehr schwerer Hühnereiweißallergie, z.B. schwere systemische Reaktionen, anaphylaktischem Schock nach Genuss von geringsten Mengen von Hühnereiweiß sollten unter besonderen Schutzmaßnahmen und anschließender Beobachtung, ggf. im Krankenhaus, geimpft werden5.

Referenzen

1. Rona RJ et al. The prevalence of food allergy: a meta-analysis. J Allergy Clin Immunol, 2007. 120(3): 638-46.

2. Grüber C, et al. Empfehlungen zur Impfung von Kindern und Jugendlichen miterhöhtem Allergierisiko. Langfassung des Positionspapiers der Gesellschaft für pädiatrische Allergie und Umweltmedizin (GPA) 2015

3. Update Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien, Allergologie, Jahrgang 44, Nr. 7/2021, S. 488-541

4. Ankermann T et al. Allergies and vaccination: a myth demystified. Allergo Journal International 2018;27

5. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/AllgFr_Grunderkrankungen/FAQ03.html

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