Durchführung einer Schutzimpfung
Praxisnahe Übersicht zur Durchführung von Schutzimpfungen inklusive Injektionstechnik.
Eine fachgerechte Impfstoffverabreichung trägt wesentlich zur Wirksamkeit der Impfung, zur Patient*innensicherheit und zu einem möglichst angenehmen Impferlebnis bei. Neben der korrekten Lagerung des Impfstoffs spielen auch die Vorbereitung der Injektion sowie die Wahl der geeigneten Injektionsstelle eine wichtige Rolle.
Vorbereitung der Impfstelle
Vor jeder Impfung ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen. Nach der Positionierung der zu impfenden Person wird die vorgesehene Injektionsstelle mit einem geeigneten Hautdesinfektionsmittel vorbereitet. Dabei ist die vom Hersteller angegebene Mindest-Einwirkzeit unbedingt einzuhalten. Erst wenn die Haut wieder vollständig trocken ist, sollte die Injektion erfolgen.
Die Kommission für Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen und in Einrichtungen und Unternehmen der Pflege und Eingliederungshilfe (KRINKO) empfiehlt impfenden Personen, routinemäßig keine Einmalhandschuhe für die Durchführung von Schutzimpfungen zu verwenden. Einmalhandschuhe sind ein Mittel des Eigenschutzes für die impfende Person und die KRINKO verweist darauf, dass bei intramuskulären Injektionen in den allermeisten Fällen kein Kontakt zu infektiösem Material besteht.
Wahl der Injektionsstelle
Für die meisten intramuskulär zu verabreichenden Impfstoffe gilt der Musculus deltoideus (Deltamuskel) am Oberarm als bevorzugte Injektionsstelle. Welcher Arm für die Impfung gewählt wird, sollte vorab mit der zu impfenden Person abgestimmt werden - dabei können individuelle Präferenzen und die Beanspruchung des Arms berücksichtigt werden.
Bei Säuglingen und Kleinkindern, deren Deltamuskel noch nicht ausreichend entwickelt ist, wird die Injektion in den Musculus vastus lateralis an der Außenseite des Oberschenkels empfohlen. In diesem Bereich ist das Risiko einer Verletzung von Nerven oder Blutgefäßen gering.
Abbildung 1: Bevorzugte Injektionsorte beim Impfen von Erwachsenen (links) und Säuglingen (rechts)
Subkutan zu applizierende Impfstoffe werden dagegen in das Unterhautfettgewebe injiziert. Dies betrifft vor allem gewisse Lebendimpfstoffe. Aber auch für viele Totimpfstoffe ist die subkutane Injektion als alternativer Injektionsweg, insbesondere bei Blutungsneigung, zugelassen. Maßgeblich sind die Angaben in der jeweiligen Fachinformation.
Durchführung der Injektion
Für eine möglichst sichere und komfortable Impfstoffapplikation sollte die Person entspannt sitzen oder liegen. Die Kanüle wird zügig durch die Haut geführt und ausreichend tief eingeführt. Intramuskuläre Injektionen erfolgen in einem Winkel von 90°, subkutane Injektionen üblicherweise in einem Winkel von etwa 45°.
Abbildung 2: Injektionstechniken beim Impfen (subkutane Injektion nur in Ausnahmefällen)
An den empfohlenen Injektionsorten ist eine Aspiration, also die Überprüfung, ob ein Blutgefäß punktiert wurde, vor der Injektion nicht erforderlich. Nach der Applikation wird die Kanüle entfernt und gegebenenfalls austretendes Blut oder Gewebeflüssigkeit mit einem Tupfer abgewischt. Die verwendete Kanüle ist unmittelbar in einem geeigneten Abwurfbehälter zu entsorgen, ohne dabei die Schutzkappe wieder aufzusetzen.
Werden mehrere Impfstoffe an einem Termin verabreicht, sind die Angaben zur gleichzeitigen Verabreichung in den jeweiligen Fachinformationen zu beachten. Nach Möglichkeit sollten unterschiedliche Extremitäten genutzt werden. Erfolgen mehrere Injektionen an derselben Extremität, sollte zwischen den Injektionsstellen ein Mindestabstand von 2 cm eingehalten werden. Bei mehreren zeitgleich verabreichten Impfstoffen an unterschiedlichen Extremitäten, empfiehlt sich die Dokumentation der jeweiligen Injektionsorte.
Maßnahmen zur Schmerz- und Stressreduktion bei der Impfung
Schmerzen und Stressreaktionen im Zusammenhang mit Impfungen sind keine Seltenheit. Die STIKO und verschiedene Fachgesellschaften empfehlen daher gewisse evidenzbasierte Maßnahmen, die Schmerzen und Stress während des Impfens reduzieren und zu einem positiven Impferlebnis beitragen können. Dies kann sich langfristig auf eine positive Impfbereitschaft auswirken.
Empfohlene Maßnahmen
- Eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen
- Ruhiges und professionelles Auftreten des medizinischen Personals
- Verständliche und sachliche Erklärung der Schritte in neutraler Wortwahl
- Bei ausgeprägter Angst: lokalanästhetische Cremes/Pflaster (Einwirkzeit beachten) oder Eisspray
- Altersgerechte Ablenkungsstrategien, wie z.B. Stillen, Spielzeug, ablenkende Gespräche
- Die richtige Körperposition: Säuglinge und kleine Kinder z.B. auf dem Schoß der Bezugsperson
- Richtige Injektionstechnik mit zügiger Nadelführung und Verzicht auf Aspiration
Nicht empfohlene Maßnahmen
- Erwärmung des Impfstoffs vor der Anwendung
- Reiben, Kneifen oder andere manuelle Stimulation der Injektionsstelle
- Routinemäßige Gabe von Schmerzmitteln vor der Impfung (Ausnahmen gemäß Fachinformation bzw. STIKO-Empfehlungen beachten)
Praxistipp:
Befindet sich Impfstoff an der Außenseite der Injektionskanüle, sollte die Kanüle vor der Verabreichung ausgetauscht werden. Dies kann dazu beitragen, Schmerzen bei der Injektion sowie lokale Reizungen der Einstichstelle zu vermeiden
Ein schmerz- und stressarmes Impfen ist ein wichtiger Bestandteil einer patient*innenorientierten Impfpraxis. Durch eine ruhige Kommunikation, altersgerechte Ablenkungsstrategien, geeignete Körperpositionen und eine korrekte Injektionstechnik lassen sich Schmerzen häufig wirksam reduzieren. Dies kann dazu beitragen, positive Impferfahrungen zu fördern und die Akzeptanz von Schutzimpfungen langfristig zu stärken.
Referenzen
1. Epid Bull 2026;4:1-79 | DOI 10.25646/13636.2
2. RKI: Merkblatt Schmerz- und Stressreduktion beim Impfen, 2023 (zum Dokument)
3. Epid Bull 2023;18:3-6 | DOI 10.25646/11389
Abbildungen
Abbildung 1: GSK Owned (ASSET-2325434), Getty 460752327 (ASSET-1817557)
Abbildung 2: Shutterstock 1683656065 (ASSET-2118095)
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