Impfung gegen Pertussis

Der Keuchhusten ist eine akute Atemwegsinfektion und wird vorwiegend durch das Gram-negative Bakterium Bordetella pertussis hervorgerufen. Etwa 5 %, regional bis zu 30 %, der Krankheiten werden durch Bordetella parapertussis verursacht, ein eng verwandtes Bakterium. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch.

12. Juli 2024
Lesedauer: 4 Min.
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Kurzbeschreibung / Geschichte der Impfung

Folgende Erkenntnisse und Ereignisse führten zur Entwicklung und Verbesserung der heute üblichen azellulären Vakzinen sowie zur Erweiterung der Impf- empfehlungen in Deutschland:

  • 1906: Bordet und Gengou isolieren erstmals den Erreger, später Bordetella pertussis genannt
  • 1925: erste Vakzinierungsversuche mit getöteten Erregern ("Ganzkeimvakzine") durch Madsen
  • 1947: Kendrick und Mitarbeiter entwickeln ein Mausmodell zur Standardisierung der Potenz von Ganzkeimvakzinen
  • 1953: Einführung der Pertussis-Ganzkeimvakzine in Deutschland
  • 1959: Einführung der Diphtherie-Pertussis-Tetanus Kombinationsimpfung in Deutschland
  • 1959: Das British Medical Research Council legt Daten zur Wirksamkeit der Ganzkeimvakzinen vor
  • ab 1970: Zweifel an der Sicherheit der Pertussis-Ganzkeimvakzinen führen in zahlreichen Ländern zum Rückgang der Impfakzeptanz
  • 1974: Einschränkung der Pertussisimpfempfehlung in Deutschland auf "besonders gefährdete" Säuglinge
  • 1981: Entwicklung und Einführung neuer, besser verträglicher Pertussisvakzinen vom azellulären Typ in Japan
  • 1991: Rehabilitation der Pertussisimpfung in Deutschland, nachdem sich die jahrzehntelangen Zweifel an der Verträglichkeit der Impfstoffe als unberechtigt erwiesen haben. Wiedereinführung der generellen Pertussisimpfempfehlung in Deutschland und Aufhebung der Alterseinschränkung auf die ersten beiden Lebensjahre
  • ab 1990: Umfangreiche Wirksamkeitsstudien mit azellulären Pertussisvakzinen in Deutschland, Italien, Schweden und im Senegal führen ab 1994 zur Zulassung verschiedener Produkte in zahlreichen europäischen Ländern und den USA
  • 2000: Fortführung des Pertussisimpfschutzes in die Adoleszenz empfohlen
  • 2001: Einführung der Indikationsimpfempfehlung für Erwachsene (und sukzessive Erweiterung der Indikationsgruppen)
  • 2006: Einführung einer weiteren Standardimpfdosis für Kinder im Alter von 5-6 Jahren (chronologisch 5. Dosis, Beibehalten der Auffrischimpfung bei Jugendlichen als 6. Standardimpfdosis)
  • 2009: Einführung der allgemeinen Pertussisimpfung für alle Erwachsenen (1 Dosis)
  • 2020: Einführung des "2+1" Impfschemas im Säuglingsalter mit Wegfall der Dosis im Alter von 3 Monaten (außer bei Frühgeborenen, welche weiterhin nach dem "3+1" Impfschema geimpft werden)


Seit Einführung der azellulären Pertussisimpfstoffe ist die Durchimpfungsrate (mindestens 3 Dosen bis zum Vorschulalter) in Deutschland von ehemals <15 % (vor 1991) auf ca. 95 % gestiegen.

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STIKO-Empfehlung

Grundimmunisierung und Auffrischimpfungen laut Impfschema.

Bei Schwangeren ist eine Impfung mit einem Tdap-Kombinationsimpfstoff zu Beginn des 3. Trimenons empfohlen. Die Impfung soll unabhängig vom Abstand zu vorher verabreichten Pertussis-Impfungen und in jeder Schwangerschaft erfolgen. Das Ziel der Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft ist die Reduzierung von Erkrankungen bei Neugeborenen und jungen Säuglingen.

Für bestimmte Erwachsene ist in Deutschland die Pertussis Impfung unabhängig von der Anzahl früherer Pertussis Impfungen und einer evtl. Pertussis Anamnese weiterhin als sofortige Indikationsimpfung empfohlen, sofern die letzte Dosis 10 Jahre oder länger zurückliegt:

  • Frauen im gebärfähigen Alter; erfolgte die Impfung bei der Mutter nicht vor der Konzeption, sollte sie bevorzugt in den ersten Tagen nach der Geburt des Kindes erfolgen
  • Bei anstehender Geburt besteht eine Impfindikation für enge Kontaktpersonen (Eltern) und Betreuer (z.B. Tagesmütter, Babysitter, ggf. Großeltern), die spätestens vier Wochen vor Geburt des Kindes erfolgen sollte (so genanntes “Cocooning”); auch bei Geschwistern soll ggf. der Pertussis Impfschutz aktualisiert werden
  • Personal in Einrichtungen der Pädiatrie, der Schwangerenbetreuung und der Geburtshilfe sowie in Gemeinschaftseinrichtungen und Kinderheimen
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Impfschema

Im ersten Lebensjahr werden bei Reifgeborenen 3 Dosen DTaP in Kombination mit IPV, Hepatitis B und Hib im Alter von 2, 4 und 11 Monaten i.m. verabreicht. Zwischen der 2. und 3. Impfdosis sollte ein Abstand von 6 Monaten nicht unterschritten werden. Für Frühgeborene (geboren vor der 37. Schwangerschaftswoche) gilt das ”3+1"-Impfschema mit 4 Impfstoffdosen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten.

Auffrischimpfungen werden in Deutschland im Alter von 5-6 Jahren und 9-16 Jahren empfohlen. Hier ist zu beachten, dass ein Kombinationsimpfstoff mit reduziertem Pertussis-Antigengehalt ("Tdap") verwendet wird. Für alle Erwachsenen ist empfohlen, die nächste fällige Td-Impfung einmalig als Tdap-Kombinationsimpfung zu verabreichen. Impfschema für Indikationsgruppen wie unter STIKO Empfehlung aufgeführt.

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Bekannte Nebenwirkungen

Der entscheidende Vorteil der azellulären Vakzine gegenüber den früher verwendeten Ganzkeimimpfstoffen liegt in deren deutlich besserer Verträglichkeit, sowohl lokale (Rötung, Schwellung, Schmerzen an der Injektionsstelle) als auch systemische Reaktionen (Fieberanstieg, Unleidlichkeit, Appetitmangel) betreffend, welche sich nicht signifikant von der nach alleiniger DT-Impfung unterscheidet.

Seltenere Nebenwirkungen nach Ganzkeimimpfung waren länger anhaltendes Weinen, schrilles Schreien sowie bei dazu prädisponierten Impflingen das Auslösen von zerebralen Krampfanfällen, meist im Zusammenhang mit Fieber. Bei Auffrischimpfungen (4. oder 5. Dosis) werden gelegentlich ausgeprägte Schwellungen im Bereich der Impfstelle ("partial" bzw. "whole limb swelling") von kurzer Dauer (1-2 Tage) beobachtet.

Eine bis heute ätiologisch ungeklärte postvakzinale Verhaltensauffälligkeit sind die so genannten hypoton-hyporesponsiven Episoden. Sie treten typischerweise bei Säuglingen etwa 1 bis 12 Stunden nach der Impfung auf. Dem Ereignis geht manchmal ein Fieberanstieg voraus. Binnen weniger Minuten bis zu mehreren Stunden kommt es zu einer restitutio ad integrum. In keinem Fall wurde bisher ein bleibender Schaden nach HHE bekannt.

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Kontraindikationen

Folgende Kontraindikationen bestehen für die Pertussisimpfung:

  • Akute, behandlungsbedürftige Krankheiten (ausgenommen "banale Infektionen"): Verschiebung des Impfbeginns
  • Bekannte, schwere allergische Reaktionen auf Bestandteile des Impfstoffes
  • Wenn der Impfling binnen 7 Tagen nach einer vorausgegangenen Pertussisimpfung an einer Enzephalopathie unklarer Ätiologie erkrankt ist


Als eine relative Kontraindikation für weitere Pertussisimpfungen gelten:

  • Fieber ≥40°C ohne andere erkennbare Ursache binnen 48 Stunden nach Impfung
  • Kollaps oder schockähnlicher Zustand binnen 48 Stunden nach Impfung ("hypoton-hyporesponsive Episode", HHE)
  • anhaltendes Weinen oder Schreien über mehr als 3 Stunden binnen 48 Stunden nach Impfung
  • zerebraler Krampfanfall binnen 72 Stunden nach Impfung


Das bedeutet für den Arzt, in diesen Fällen die Impfindikation laut Fachinformationen "unter Abwägung von Nutzen und Risiko besonders streng zu stellen".

Referenzen

1. Heininger: Impfratgeber – Impfempfehlungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene/ 11. Auflage – Bremen: UNI-MED, 2022; Seite 57-66, Epid Bull 2024;4:1- 72 | DOI 10.25646/11892

Impfalter

Erstimpfung ab dem vollendeten 2. Lebensmonat

Impfschutz-Dauer

Bisherige Langzeitbeobachtungen sprechen für eine anhaltende Schutzdauer von mindestens 6 Jahren nach 3-4 Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren, wohingegen Untersuchungen in den USA gezeigt haben, dass die Schutzrate nach der 1. Auffrischimpfung im Vorschulalter von Jahr zu Jahr um ca. 40 % abnimmt und somit eine baldige Auffrischung in der Adoleszenz angezeigt ist.

Impfschutz-Symptome

Die Wirksamkeit von Pertussisvakzinen lässt sich nicht ohne weiteres in Prozentwerten angeben. Dies hat folgende Gründe:

  • Es besteht kein Konsens darüber, wovor die Pertussis Impfung schützen soll: allein vor der typischen Krankheit oder aber vor Infektion mit B. pertussis, unabhängig von der Ausprägung der Symptomatik?
  • Es gibt keine klare, befriedigende und allgemein anerkannte Definition für Pertussis
  • Es existiert kein sicheres serologisches Korrelat für Schutz vor Krankheit

Die Mehrheit der gut durchgeführten Studien ergab jedoch Schutzraten in der Größenordnung zwischen 80 und 90 % für typische Pertussisfälle.

Grundlagen Impfung