RSV als Ursache für schwere Infektionen und deren Folgen bei 60+

Krankheitslast und Todesraten nach respiratorischen Erkrankungen weltweit sind immens. Es ist auch von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

7. Dezember 2022
Lesedauer: 3 Min.
Spielaufbau Turmeinsturz

Nach Schätzungen der WLF (World Lung Foundation) gibt es jährlich 4,25 Millionen Tote an respiratorischen Erkrankungen und ca. 6% der gesamten jährlichen Todesfälle sind durch akute respiratorische Erkrankungen hervorgerufen. In den USA sind es in 2019 7,2 Milliarden Atemwegsinfektionen in den oberen Atemwegen, das sind 42,8% von allen Erkrankungen weltweit. Im Gegensatz zu den Schwellen- und Entwicklungsländern sind in den Industrienationen auch eine große Anzahl an älteren Personen und immunsupprimierte Patienten betroffen.

Die Hauptursache für diese Zahlen, erhoben aus dem Zeitraum vor der COVID-19-Pandemie, sind Infektionen mit Influenza und RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) neben anderen respiratorischen Viren wie Parainfluenzavirus, humanes Metapneumovirus, weitere Coronaviren, jenseits von SARS-CoV-2 und das humane Rhinovirus1. Infektionen mit diesen Viren können zu Exazerbationen von chronischen Lungenerkrankungen (wie z.B. Asthma oder COPD) oder chronischen Herzerkrankungen führen. Des Weiteren können diese Infektionen auch direkt Auslöser für kardiale Ereignisse sein. Gerade die Differenzierung zwischen diesen einzelnen Erregern ist nur mit spezifischen Testungen möglich und wird in der Regel nicht systematisch in Deutschland durchgeführt.  Wobei die Testung auf antigenbasierenden Tests nicht befriedigend bezüglich ihrer Sensitivität sind und der direkte Nachweis von Nukleinsäuren mittels PCR kostenintensiv ist2.

 

Altesgruppe

 

18 - 49 Jahre 50 - 64 Jahre  65 +

Hospitalisierungen

insgesamt

7624 14994 39387
RSV Detection Krankheitslast Detection Krankheitslast Detection Krankheitslast
87 31 190 181 805 863

Tab. 1 Schätzungen der Krankenhausaufenthaltsbelastung durch RSV-Infektionen für erwachsene Einwohner von Allegheny County nach Altersgruppe über 4 Jahre (von Juli 2015 bis Juni 2019)

Krankheitslast: = A * (B/C))/Bevölkerung) * 100,000; Allegheny County Population nach Altersgruppe, wobei A = Anzahl Allegheny County hospitalisert mit ARI, B/C = virus-spezifische Detektion/RVPs = Prozentualer Anteil von RSV an sämtlichen Tests auf respiratorische Viren.

 

In der Arbeit von Zheng et al konnte ein Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status, dem Alter und der Hospitalisierungsrate gezeigt werden. Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Status haben ein höheres Risiko wegen einer RSV-Infektion in die Klink zu gelangen. Interessanterweise spielt der sozioökonomische Status bei den 65+ Patienten, welche auf Grund einer RSV-Infektion hospitalisiert werden mussten, keine Rolle3. Auf Grund des Vergleiches der geschätzten RSV-Inzidenz mit den tatsächlich registrierten Fällen gelangt diese Analyse zu dem Schluss, dass in der Altersgruppe 65+ nur weniger als 5% der zu einer Hospitalisierung führenden RSV-Infektionen erfasst werden3.  

Eine Meta-Analyse von 21 Publikationen zu RSV-Infektionen bei Personen über 60 Jahren aus den USA, Kanada, Europa, Japan und Südkorea ergab hochgerechnet auf 2019 5,2 Millionen RSV Fälle mit 470.000 Hospitalisierungen und 33.000 Todesfällen in der Klinik. Das bedeutet eine Sterblichkeitsrate durch RSV in der Klinik in der Altersgruppe 60+ von 7%2.

Insbesondere bei älteren Patienten 60+, welche mit RSV hospitalisiert wurden, führt diese Infektion bei ca. 1/3 der Patienten nach der Entlassung aus der Klink zu einer deutlichen Reduktion funktioneller Fähigkeiten (wie z.B. ohne Betreuung unabhängig zu leben) im Vergleich zum Zeitraum vor der Infektion4.  

Bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen, wie z.B. COPD, konnte eine kanadische Studie zeigen, dass 28,5% der hospitalisierten COPD Patienten eine saisonale respiratorische Virusinfektion durchmachten. Die Infektion hat eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zur Aufnahme auf der Intensivstation und der Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung zur Folge. Bei einer bestehenden COPD gibt es keinen Unterschied aufgrund einer Influenza- oder RSV-Infektion auf der Intensivstation aufgenommen zu werden,  Ein Unterschied ergibt sich bei der Betrachtung der nicht-invasiven Beatmung. Hier ist das Risiko durch eine RSV-Infektion deutlich erhöht, nicht-invasiv beatmet werden zu müssen5.    

Als Fazit lassen sich die Arbeiten von Ackerson6 und Falsey7 heranziehen. Diese demonstrierten, dass RSV in seiner Gefährlichkeit, was die klinische Belastung betrifft, im Vergleich zu Influenza als schwerwiegender eingestuft werden muss. 

Im Vergleich zur Influenza ist die Verweildauer im Krankhaus aufgrund einer RSV-Infektion länger, welches auf einer höheren Rate an Pneumonien und Exazerbationen im Vergleich zu einer Infektion mit Influenza resultiert. 

Außerdem gibt es mehr Komplikationen bei einer RSV-Infektion in den unteren Atemwegen, mehr bakterielle Superinfektionen und mehr kardiale Ereignisse und auch die Todesrate ist höher. In Deutschland ist RSV, aufgrund kaum durchgeführter Testungen, in den höheren Altersgruppen bis heute leider untererfasst. 

 

Referenzen

1. Zimmermann et al., 2022 Population-based hospitalization burden estimates for respiratory viruses, 2015–2019, Influenza Other Respi Viruses. 2022;16:1133–1140

2. Savic et al., 2022 Respiratory syncytial virus disease burden in adults aged 60 years and older in high-income countries, Influenza Other Respi Viruses. 2022;1–10.

3. Zheng et al., 2022, Estimated incidence of respiratory hospitalizations attributable to RSV infections across age and socioeconomic groups, Pneumonia (2022) 14:6

4. Branche et al., Change in functional status associated with respiratory syncytial virus infection in hospitalized older adults, Influenza Other Respi Viruses. 2022;16:1151–1160.

5. Mulpuru et al., 2022. Impact of respiratory viral infections on mortality and critical illness among hospitalized patients with chronic obstructive pulmonary disease, Influenza Other Respi Viruses. 2022;16:1172–1182.

6. Ackerson B et al. Severe Morbidity and Mortality Associated With Respiratory Syncytial Virus Versus Influenza Infection in Hospitalized Older Adults, Clin Infect Dis 2019;69:197–203

7. Falsey AR et al. 2021. Risk Factors and Medical Resource Utilization of Respiratory Syncytial Virus, Human Metapneumovirus, and Influenza-Related Hospitalizations in AdultsOpen Forum Infect Dis 2021;8:11, ofab491

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