RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus)

Das Respiratorische Synzytiale Virus (RSV) hat seinen Namen daher, dass es bei Infektion der zilientragenden Epithelzellen der Schleimhäute zu Verschmelzung dieser Zellen (Synzytien) im Atemwegstrakt, kommt. Das RS Virus ist ein einzelsträngiges RNA Virus in dessen Lipidhülle neben anderen Struktur-Proteinen das Glykoprotein F (Fusionsprotein) und das Adhäsions Protein G eingelagert sind1.

5. Januar 2023
Lesedauer: 3 Min.
Respiratory Syncytial Virus (RSV) 3D-Illustration
Abbildung 1: Schematische Darstellung des RS-Virus und seiner beiden wichtigsten Oberflächenproteine F und G

Durch Unterschiede in der Antigenstruktur des G-Proteins wird zwischen RSV A und B unterschieden, welche Beide gleichzeitig zirkulieren. Das Fusionsprotein F weist nur geringe genetische Differenzen in der Genstruktur zwischen RSV A und B auf. Deshalb ist dieses Protein das wichtigste Ziel für neutralisierende Antikörper, um eine Infektion erfolgreich zu kontrollieren2.

Diagramm RSV Infektionsgeschehen in Deutschland von September 2019

Abbildung 2: RSV Infektionsgeschehen in Deutschland von September 2019- Juni 2022. (RSV: Seasonal activity in percent of examined samples - Clinical Virology (clinical-virology.net) (zuletzt zugegriffen: September 2022)

RSV Infektionsgeschehen in Deutschland von September 2019 - Juni 2022

RSV A ist weltweit häufiger als RSV B. Die Infektionswelle in Deutschland und auf der nördlichen Hemisphäre verläuft in der Regel zwischen November und April. Auf der südlichen Hemisphäre ist es genau umgekehrt. Hier gibt es die meisten Infektionen zwischen April bis Oktober3. Während der COVID-19 Pandemie hat sich allerdings gezeigt, dass sich das RSV Infektionsgeschehen verschieben kann. In Australien und auch in Deutschland kam es zu einer Verschiebung der RSV Infektionswelle von den Wintermonaten in die Sommermonate. Diese lässt sich durch die Pandemie bedingten Maßnahmen, wie das Tragen von Masken erklären.

Besonders gefährdet sind auf der einen Seite Früh- und Neugeborene, sowie Säuglinge und Kleinkinder und auf der anderen Seite Menschen mit eingeschränktem Immunsystem und ältere Menschen. Eine Infektion mit RSV, während des 1. Lebensjahres, haben bis zu 70% der Kinder erlitten und bis zum 2. Lebensjahres faktisch alle Kinder durchgemacht. Die Infektion hinterlässt keine langfristige Immunität. Bei Erwachsenen können deshalb Reinfektionen auftreten, besonders wenn die Personen regelmäßigen Kontakt zu Kleinkindern haben4. Die Übertragung erfolgt durch Aerosole und wohl auch durch kontaminierte Hände und Oberflächen. Wobei Erwachsene hier als asymptomatische Überträger eine wichtige Rolle spielen und es auch zu Übertragung von Personen schon einen Tag nach der Infektion und noch vor Beginn der Symptome kommen kann. Die ersten Symptome treten in der Regel nach 2 bis 8 Tagen auf. Zu den Risikofaktoren bei Erwachsenen für schwere Krankheitsverläufe durch eine RSV Infektion gehören: Ein höheres Lebensalter jenseits des achtzigsten Lebensjahres, Komorbiditäten wie z.B. chronische Herz- und Lungenerkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem5. Bei Kleinkindern und bei dem eben genannten Personenkreis an Erwachsenen kann die RSV Infektion auch zu weiterführenden Komplikationen führen.

Darstellung Bronchiolitis durch eine RSV Infektion

Abbildung 3: Bronchiolitis durch eine RSV Infektion

Zu nennen an Komplikationen sind hier die Pneumonie, die Bronchiolitis und Exazerbation. Allein das höhere Lebensalter führt bei dem Immunsystem zu einem Prozess, welcher sich Immunoseneszenz nennt. Dieser führt zu einer höheren Hospitalisierungsrate bei Infektion mit RSV im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen. Dabei korreliert die Viruslast mit der Erkankungsschwere. Die Vermehrung der RS Viren in den apikalen Flimmerepithelzellen führt zu einer Anlockung von Neutrophilen und Eosinophilen. Diese Entzündungsreaktion durch Neutrophile und Eosinophile verschlechtern die Erkrankung und die Prognose. Hingegen haben CD8 T-Zellen und die Bildung von IFN-gamma eine positive Prognose auf den Krankheitsverlauf6

Es ist aktuell keine spezifische Therapie verfügbar, um eine akuten RSV Infektion positiv zu beeinflussen. 

Bei der Bronchiolitis, welche vor allem bei Früh,- Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern auftritt, kommt es im Bronchiolus zur Freisetzung von Epithelzellen und erhöhter Schleimproduktion. Auch die Zilienbeweglichkeit ist gestört. Diese kann zu einer Obstruktion führen und zu Überblähung der Alveolen. Wird die eingeschlossene Luft resorbiert, kommt es zum Kollaps der Alveolen und zu lokalen Atelektasen3.

Fazit

Eine Infektion mit RSV bleibt weiterhin für ältere Personen, Menschen mit Immunschwäche, und besonders Frühgeborene, Säuglinge und Kleinkinder eine nicht zu unterschätzende Gefahr für schwere Krankheitsverläufe.

Referenzen

1. RKI Ratgeber RSV https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_RSV.html

2. Battles MB, McLellan JS. Nat Rev Microbiol 2019;17:233–245

3. Griffiths C et al. Clin Microbiol Rev 2017;30:277–319

4. Nair H et al. Lancet 2010;375:1545–1555

5. Belongia EA et al. Open Forum Infect Dis 2018;27;5:ofy316

6. Russell CD et al. Clin Microbiol Rev 2017;30:481–502

Grundlagen Erreger