Patientenschulungen – Hilfe für Arztpraxis und Patient

Der Begriff „Patientenschulung“ wird für die unterschiedlichsten Formen der Kommunikation zwischen Arzt und Patient herangezogen. Es gibt inzwischen eine feste Definition, die im Rahmen des Projektes „Zentrum Patientenschulung“ des Vereins Patienten-Schulungen e. V. definiert wurde.

„Patientenschulungen sind interaktive Gruppenprogramme für Menschen mit überwiegend chronischen Erkrankungen. Sie haben das Ziel, die Mitarbeit (Compliance) der Betroffenen bei der medizinischen Behandlung zu verbessern und ihre Fähigkeit zum selbstverantwortlichen Umgang mit ihrer Erkrankung (Selbstmanagement) in Kooperation mit professioneller Hilfe zu stärken.“1

Es ist auffällig, dass in dieser Definition nicht erwähnt wird, dass Patientenschulungen zwingend Bestandteil eines DMP-Programmes sein müssen. Sehr wohl geregelt ist hingegen, dass die Teilnahme an einem DMP-Programm verpflichtend die Durchführung bzw. Teilnahme an Patientenschulungen vorsieht2.

Es gibt viele Schulungen, die außerhalb dieser Programme angeboten werden. Diese können im Rahmen von speziellen Arztleistungen (z. B. Nicht-Raucher-Programme, Ernährungsberatungen) erfolgen.

Die Schulungen können – neben der per Definition erforderlichen Verbesserung der Compliance und dem Selbstmanagement der Patienten – als Möglichkeit der Patientenbindung bzw. als Chance zur Patientengewinnung dienen.

Vorbereitung

Eine erfolgreiche – für Praxis-Team und Patienten sinnvolle – Patientenschulung bedarf einer guten Vorbereitung.

Diese beginnt mit der Zieldefinition: Was wollen Arzt und Patient durch die Schulung erreichen? Ist das Ziel die reine „Pflichterfüllung des DMP-Programmes“, wird sich dies sicher sehr schnell in der Qualität der Veranstaltung widerspiegeln. Dann werden weder Trainer noch Patienten mit hoher Motivation daran teilnehmen. Auch von Seiten der Patienten muss mehr Bereitschaft als nur „ach ja – ein netter Nachmittag mit anderen Betroffenen“ vorhanden sein – sonst wird die Quote der Patienten, die nicht teilnehmen bzw. erscheinen sehr hoch sein.

Es ist die Aufgabe des Praxisteams folgende Vorgaben klar zu definieren:

  • Was wollen wir mit der Schulung erreichen?
  • Für welche Patienten gilt dieses Ziel?
  • Wie viele Patienten sind das?

Daraus ergibt sich die nächste Aufgabe: Die Auswahl und Ansprache der Patienten. Dies kann heute über entsprechende Selektion der Patientendaten einfach in der Praxis-EDV vorbereitet werden. Sowohl der Arzt als auch das Mitarbeiter-Team sollten die Patienten gezielt darauf ansprechen, denn gerade die Mitarbeiter des Praxisteams haben – neben dem Arzt – viele Gelegenheiten, die Patienten auf diese Schulungen aufmerksam zu machen. Ein Hinweis auf dem Patientenblatt ist dabei als Reminder für Arzt und Team hilfreich.

Entsprechend der Ziele muss die inhaltliche Vorbereitung erfolgen. Hier ist zwischen den fest-definierten Schulungen in DMP-Programmen, die in der Regel genau einzuhalten sind, und den „freiwilligen“ Patientenschulungen zu anderen Themen zu unterschieden.

Die Schulungsmaterialien für DMP-Programme sind inhaltlich und optisch fest definiert und dürfen in der Regel nicht verändert werden.   Bei den Schulungsprogrammen sollte grundsätzlich eine Einstiegsfolie und ein oder zwei Schlussfolien im Praxisdesign gestaltet werden. So wird deutlich, dass die eigene Praxis der Veranstalter ist und diesen wichtigen Service erbringt.

Bei der Gestaltung von Materialien für „freiwillige“ Patientenschulungen außerhalb von DMP-Programmen besteht mehr Gestaltungsspielraum. Hier können im Praxisteam die Schulungsmaterialien selbst erstellt werden. Hilfreich und auch zeitsparend kann es sein, auf Angebote bzw. Vorlagen von Fachgesellschaften oder Verlagen zurückzugreifen (z. B. http://shop.aerzteverlag.de/default.asp?docid=7).

Organisation3

Wichtig für die Durchführung von Patientenschulungen sind die vorhandenen Räume. Steht kein eigener Schulungsraum zur Verfügung, sollte ein, der Teilnehmerzahl entsprechender, Raum (z. B. das Wartezimmer) genutzt werden. Sprechzimmer, Labor oder ähnliche Funktionsräume sind für diese Zwecke eher ungeeignet.

Der Raum sind ausreichend Licht und mögliche Frischluftzufuhr zu empfehlen. Insbesondere im Sommer, aber auch zu anderen Jahreszeiten, sollte Wasser für die Teilnehmer zur Verfügung stehen.

Abhängig von der Gruppengröße sollte ein Beamer (ab 6 Personen) oder bei kleineren Gruppen ein Bildschirm verwendet werden. (Falls noch älteres Bildmaterial auf Folie genutzt wird, ist auch die Verwendung eines Overhead-Projektors möglich, auch wenn das nicht mehr zeitgemäß ist.)

Praxistipp: Wenn die Leinwand/Bildschirm nicht im Lichtschatten stehen kann, sollte auf jeden Fall eine dunkle Schrift auf hellem Grund gewählt werden. Das erleichtert die Lesbarkeit. Eine zu kleine Schriftgröße stellt eine Barriere für ältere Teilnehmer dar.

Die Uhrzeiten für Schulungen sollten auf die Zielgruppe abgestimmt sein. Termine, die am späten Nachmittag oder am frühen Abend im Winter stattfinden, werden aufgrund der Witterung und Lichtverhältnisse von älteren Menschen nicht so gut angenommen.  Termine im Frühjahr und Frühherbst sind oft besser besucht.

Von den Teilnehmern sollte eine Einverständniserklärung eingeholt und dokumentiert werden, dass sie mit der Teilnahme an einer Gruppenveranstaltung als Patient mit einer bestimmten Erkrankung „geoutet“ werden.

Durchführung

Auch an die Referenten sind spezielle Anforderungen zu stellen. Die regelmäßige eigene Fortbildung ist eine Verpflichtung, der sich alle aktiven Referenten unterziehen müssen. Dabei kann die Schulung selbst in vielen Fällen an Mitarbeiter des Praxisteams (z. B. Diabetesberater, pneumologische Fachangestellte etc.) übertragen werden.

Wenn die Anwendung von Devices geschult werden soll, ist es wichtig, dass nur Anwender des gleichen Device an der Schulung teilnehmen. Unterschiedliche Devices zu erläutern, führt bei den Teilnehmern in der Regel zu mehr Verwirrung, aber auch Begehrlichkeiten, als wenn alle „am gleichen Device arbeiten“.

Die Dauer der Schulungen sollte 60 Minuten nicht überschreiten, andernfalls sollte eine Pause gemacht werden. Gut geeignet sind 45 Minuten Schulungszeit.

Ein wichtiges Hilfsmittel ist eine Vor- und Nachbefragung. Wenn vor der Schulung die wichtigsten Lernziele definiert sind, können dazu 5 Multiple-Choice Fragen vorbereitet werden. Werden diese vorher beantwortet und nach der Schulung erneut, kann der Lernfortschritt genau beurteilt werden. Daraus lässt sich ggf. ein weiterer Schulungsbedarf ableiten. Es muss den Teilnehmern erläutert werden, wozu dieser Fragebogen dient.

Um die Qualität der Schulungen langfristig aufrecht zu erhalten, ist ein Feedback-Fragebogen, den die Patienten im Anschluss ausfüllen können, sinnvoll.

Nachbereitung

Für viele Patienten ist die Bereitstellung eines Handouts (z.B. Ausdruck der Slides, sofern urheberrechtlich erlaubt) oder vertiefender Patientenbroschüren hilfreich. Diese Broschüren sollten vor der Veranstaltung bereitgelegt und im Anschluss verteilt werden.

Vom Praxisteam bzw. vom Arzt selbst erstelltes Material sollte auf jeden Fall im eigenen Praxisdesign gestaltet werden. Dies ist gerade für die Ausgabe von Handouts wichtig, da es die Bindung der Patienten durch „Wiedererkennung“ erhöhen kann.

Spätestens beim nächsten Arztgespräch sollten die Mitarbeiter oder der Arzt noch einmal nachfragen, ob durch die Schulung weitere Fragen entstanden sind.

Die Teilnahme jedes Patienten muss in der entsprechenden Patientenkartei vermerkt werden.

Fallstricke

Gerade bei der Bereitstellung von Handouts ist darauf zu achten, dass keine Urheberrechte verletzt werden (Grafiken, Texte), ggf. müssen spezielle Versionen bereitgestellt werden.

Bekommen die Patienten Broschüren angeboten, sollte möglichst eine Auswahl an Material unterschiedlicher Verfasser bereitgestellt werden, damit nicht der Eindruck von Einseitigkeit entsteht.

Mittlerweile wird oft mit Smartphones während Veranstaltungen telefoniert. Auch Schulungen bilden hier keine Ausnahme. Hier spielt die ärztliche Schweigepflicht eine wichtige Rolle: Bilder, auf denen betroffene Patienten abgebildet sind, sind nicht zulässig und das Fotografieren sollte unbedingt untersagt werden.

Linktipp

 


Quellen

  1. http://www.zentrum-patientenschulung.de/theorie/schulungskonzept
  2. http://www.bundesversicherungsamt.de/druckversion/weitere-themen/disease-management-programme/zulassung-disease-management-programme-dmp.html
  3. http://www.zentrum-patientenschulung.de/assets/Qualitaetskriterien_Schulungsumsetzung_Checkliste.pdf


 

DE/VAC/0577/17, Okt 17

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