SIRVA: Das Ziel ist der Weg

Impf-Quiz


Impfkomplikationen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen – besonders dann nicht, wenn sie die Schulter betreffen. Eine Schulterverletzung nach Impfung (SIRVA) kommt zwar selten vor, ist aber klinisch relevant. Mit dieser Impftechnik können Sie die „SIRVA“ ganz einfach vermeiden.


Wie kommt es zur SIRVA?

Der obere Bereich des Musculus deltoideus gehört nach wie vor zu den bevorzugten Stellen für eine Impfung. Eine lokale Impfreaktion in Form einer kurz andauernden Rötung, Schwellung und / oder Überwärmung tritt häufig auf. In seltenen Fällen kann der lokale Schmerz jedoch über eine längere Zeit anhalten – oft begleitet von Bewegungseinschränkungen. Vereinzelt können die Symptome auch verzögert, mehrere Tage nach der Impfung auftreten. Hinter diesen Beschwerden kann eine Schulterverletzung nach Impfung (Shoulder Injury Related to Vaccine Administration) stecken.1

Am häufigsten entstehen die Symptome durch:1

  • Verletzungen der Bursa subdeltoidea / subacromialis
  • Verletzungen des vorderen Astes des Nervus axillaris
  • Verletzungen des Nervus radialis

In seltenen Fällen ist eine Osteonekrose im Humeruskopf ursächlich für den Schmerz.1
 

Wer ist besonders gefährdet?

Risikofaktoren für SIRVA sind:1

  • geringer Body-Mass-Index
  • geringe Muskelmasse des M. deltoideus
  • bei Männern ein im Vergleich zu Frauen reduziertes Fettpolster im Bereich des M. deltoideus
  • Studien weisen darauf hin, dass SIRVA insbesondere in Zeiten, in denen viele Impfungen über einen kurzen Zeitraum verabreicht werden, häufiger vorkommen könnten. So zum Beispiel während der Influenza-Saison oder der COVID-19-Pandemie.2
     

Wie kann die SIRVA vermieden werden?

Entscheidend zur Vermeidung von Komplikationen in der Schulterregion ist die Impftechnik:

In 11 der oben genannten Fallberichte wurde die genaue Stelle der Injektion beschrieben. In 8 dieser 11 Fälle findet sich der Hinweis, dass die Injektion hoch bzw. im oberen Drittel des M. deltoideus erfolgte. Die beschriebenen Komplikationen sind offenbar auf eine versehentliche Injektion des Impfstoffes in die Bursa subacromialis bzw. die Synovia des Schultergelenkes zurückzuführen.1 Davon leiteten Gail B. Cross und Kollegen den Grundsatz „Nicht zu hoch zielen“ ab.3

Die Australier empfehlen folgendes Vorgehen (Abb. 1):1,3

  • Impfling abduziert Arm im 60°-Winkel und stemmt Hand auf die Hüfte
  • Zeigefinger auf Acromion des Patienten platzieren
  • Daumen auf Tuberositas deltoidea legen
  • Injektion in der Mitte zwischen Zeigefinger und Daumen setzen

Durch die Platzierung der Hand auf der Hüfte soll sich laut den Autoren der M. deltoideus entspannen. Sie erleichtert zudem das Erkennen der Tuberositas deltoidea bei adipösen Patienten.1,3

Abbildung 1: Schematische Darstellung zur Ermittlung der Injektionsstelle wie vorab beschrieben. Modifiziert nach 1,3.


Quellen:

1. Streit R et al. Schulterverletzung nach Impfung (SIRVA). Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 3/2016. Verfügbar unter: https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/bulletin-arzneimittelsicherheit/2016/3-2016.pdf?__blob=publicationFile&v=2. Abgerufen am 16.05.2022.

2. Yuen WLP et al. SIRVA (Shoulder Injury Related to Vaccine Administration) following mRNA COVID-19 Vaccination: Case discussion and literature review. Vaccine 2022; 40(18): 2546−2550. doi: 10.1016/j.vaccine.2022.03.037.

3. Cross GB et al. Don’t aim too high: Avoiding shoulder injury related to vaccine administration. Aust Fam Physician 2016; 45(5): 303–306.


NP-DE-VX-WCNT-220026, May22