Fragen und Antworten unserer Experten:

Dr. med. Thomas Klimaschka

Patrizia Bruchschmidt

Impf-Quiz

Impfen im Team – einfach machen.

Basierend auf der Live-Veranstaltung der GSK Impfakademie sind hier die wichtigsten Fragen und Antworten der Experten zusammengefasst.

Stand der genannten Informationen: 10.11.2021.

  • 1. Welche Tipps können Sie den MFA für ein erfolgreiches Impfmanagement mit auf den Weg geben?

    Beim Impfmanagement in der Hausarztpraxis ist es sinnvoll, die Patienten nach Alter in zwei Gruppen ‒ unter 60 bzw. über 60 Jahren ‒ einzuteilen. Zusätzlich kann noch nach Indikationsimpfungen getrennt werden, wie z. B. Patienten mit Immunsuppression oder Patienten mit Splenektomie.

    Am unkompliziertesten sind die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio. Da verhält es sich bei den über und unter 60-Jährigen gleich. Alle 10 Jahre wird eine Auffrischung von Tetanus / Diphtherie empfohlen. Da eine Pertussis-Impfung bei Kontakt zu Kleinkindern indiziert ist und dies bei nahezu Jedem der Fall ist, impfen wir Pertussis hierbei direkt mit. Und einmal im Erwachsenenalter sollte gegen Polio aufgefrischt werden.

    Darüber hinaus sind es bei den über 60-Jährigen im Wesentlichen noch Influenza, Pneumokokken und Herpes zoster. Zudem überprüfen wir noch den Masern-Schutz bei nach 1970 Geborenen.

    An die COVID-19-Impfung ist bei allen Erwachsenen zu denken. Bei den COVID-19-Impfungen handhaben wir es so, dass wir die Patienten bitten, uns eine E-Mail mit den Kontaktdaten und dem Termin der letzten Impfung zu schicken. Dann kommen diese auf eine Warteliste und werden von uns bezüglich eines Termins angerufen. Wenn es beispielweise um die Herpes zoster-Impfung geht, bekommt der Patient beim ersten Termin gleich einen Termin für die zweite Impfung mit. Wichtig ist es, stets Folgetermine auszumachen.

    Wir haben auch ein Doppelkontroll-Verfahren bei der Impfdokumentation. Wir dokumentieren im Impfsystem und notieren zusätzlich noch den Patientennamen auf die Impfstoffverpackung, sodass keine verabreichte Impfung verloren gehen kann.

    Ein wichtiger Hinweis ist generell, dass jede Impfung zählt. Ein fehlender Impfausweis gilt allerdings auch als fehlender Impfnachweis.

  • 2. Wie wirkt sich die COVID-19-Impfung konkret auf die Akzeptanz von anderen von der STIKO empfohlenen Impfungen aus?

    Die Akzeptanz von Impfungen war und ist bei unseren Patienten sowohl vor der Corona-Pandemie als auch aktuell gut. Besonders die empfohlenen Impfungen ab 60 Jahren gegen die Pneumokokken, Herpes zoster oder auch Influenza werden gut angenommen. Bei der Grippeimpfung gibt es am ehesten Impfskeptiker, welche u. a. diese Aussagen tätigen: „Ich hatte noch nie die Grippeimpfung gemacht und bin immer gut durch den Winter gekommen“. Es ist aktuell schwierig, diese Personengruppen zu überzeugen, da es im letzten Winter im Zuge der Pandemie kaum Influenza-Fälle gab. Aber im Allgemeinen hat sich die Akzeptanz der Impfungen gegen respiratorische Erkrankungen verbessert. Besonders die Impfung gegen die Lungenentzündung hat einen regelrechten Boom erlebt, nachdem publik wurde, dass eine Pneumokokken-Impfung vor einem schweren COVID-19-Erkrankungsverlauf schützen könnte.

  • 3. Welche Impfungen gehören bei Ihnen in der Praxis zu den Standardimpfungen?

    Wir verabreichen in erster Linie die Impfungen, welche für Personen ab 60 Jahren empfohlen sind: Pneumokokken, Influenza und Herpes zoster. Zusätzlich impfen wir nach 10 Jahren auch die Erwachsenen gegen Tetanus, Diphterie und Pertussis mit dem Dreifachimpfstoff oder ‒ je nachdem, ob die Person bereits im Erwachsenenalter eine Polio-Auffrischung bekommen hat ‒ auch Tdap-IPV. Bei uns in der Kinderarztpraxis bzw. Hausarztpraxis gehören auch ab 9 Jahren, unabhängig ob Mädchen oder Junge, die HPV-Impfungen dazu. Des Weiteren impfen wir auch gegen FSME.

  • 4. Impfen im Team: Verantwortlichkeiten. Welche Aufgaben liegen ausschließlich bei Ihnen? Welche Aufgaben rund um das Thema Impfungen haben Sie an die MFAs delegiert?

    Die Impfung wird in der Regel an die MFA delegiert und auch fachgerecht durchgeführt. Die Unterschrift im Impfpass erstellt der Arzt und bei bestimmten Indikationen wie z. B. der Einnahme von Blutgerinnungsmitteln, impft der Arzt auch selbst. Sobald der Arzt anwesend ist und die MFA eine Ausbildung zur Impfmanagerin absolviert hat, wird die Impfung zumeist von der MFA durchgeführt.

  • 5. Was motiviert Ihre MFA, sich aktiv für Impfungen einzubringen? Was würden Sie Ihren Kollegen empfehlen?

    Eine Impfung bewahrt die Patient*innen davor, diese Erkrankung durchleben zu müssen. Jede durchgemachte Erkrankung birgt nämlich Risiken für Folgeschäden. So kann man sich vor Erkrankungen, welche beispielsweise gehäuft im Alter auftreten, wie Lungenentzündung, Pertussis oder Herpes Zoster relativ einfach durch eine Impfung schützen. Impfungen haben in den wenigsten Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen. Es handelt sich um einen kleinen „Pieks“, den man schnell und unkompliziert beim Hausarzt bekommen kann.

  • 6. Wie halten Sie sich auf dem aktuellen Stand? Woher bekommen Sie verlässliche Informationen? Was gibt Ihnen Sicherheit in Ihrem Handeln?

    Das Epidemiologische Bulletin des RKI ist zu empfehlen, wenn man sich über Impfungen informieren möchte. Bei den laufenden Änderungen bezüglich der COVID-19-Immunisierung ist es wichtig, das Wissen stets aktuell zu halten. Zudem führen wir interne Fortbildungen durch oder besuchen externe Fortbildungen gemeinsam. Des Weiteren haben wir eine gute Beziehung zu den Pharmareferenten, von denen wir viel Motivation und Wissen erhalten. Wir nutzen den Besuch von Impfvertretern als Fortbildung für uns selbst. In unserer Praxis führen wir auch Dienstbesprechungen durch, bei denen Neuerungen dann kommuniziert werden.

  • 7. Was ist aus Ihrer Sicht bei der Patientenansprache zu beachten? Wer spricht die Patienten in Ihrer Praxis auf Impfungen an?

    Die Patientenansprache wird bei uns im Team von allen Beteiligten übernommen. Der Patient wird erstmalig bei der Anmeldung auf eine Impfung angesprochen. Dann ggf. ein zweites Mal durch den Mitarbeiter im Labor und dann ein drittes Mal vom Arzt selbst. Im Idealfall sagt der Patient dann: „Okay, ich kriege ja die Impfung.“

  • 8. Neben der aktiven Ansprache – wie machen Sie darüber hinaus auf Impfungen aufmerksam?

    Wichtig ist es, Patienten bei möglichst jeder Gelegenheit auf Impfungen anzusprechen ‒ sei es auf Tetanus bei einer Splitterverletzung oder auf beispielsweise FSME vor einer Reise. Bei Erkrankungen im nahen Umfeld des Patienten sollte man deren eigenen Impfschutz erfragen. Idealerweise wird die Impfung dann auch sofort durchgeführt, auch wenn die Patienten dann ggf. etwas warten müssen. Jugendliche kann man auch im Rahmen von Jugendschutzuntersuchungen auf Impfungen ansprechen.

  • 9. Bei welchen Gelegenheiten sprechen Sie als Praxisteam Ihre Patienten auf Standardimpfungen an?

    Wir haben die COVID-19-Impfung auch genutzt, um die Impfpässe der Patienten auf Standardimpfungen zu überprüfen. Es wurden auch recht viele neue Impfpässe ausgestellt, da die „alten“ nicht mehr auffindbar waren. Im Zuge dessen haben die MFA den Patienten einen Zettel mit den fehlenden Standardimpfungen in den Impfpass hineingelegt und den Arzt beim Aufklärungsgespräch gebeten, den Patienten auf noch ausstehende Impfungen anzusprechen. Die Patienten wurden dann stets bei der zweiten COVID-19-Impfung daran erinnert: „Haben Sie einen Zettel bekommen? Brauchen Sie Auffrischimpfungen? Und wann können wir die fehlenden Impfungen nachholen?

  • 10. Bei welchen Gelegenheiten sprechen Sie als Praxisteam Ihre Patienten über 60 Jahren auf Standardimpfungen wie z. B. gegen Herpes zoster an?

    Durch Fernsehwerbung oder Plakate in unserer Praxis werden die Patienten auf die Herpes zoster-Impfung aufmerksam und sprechen das Praxisteam auch aktiv darauf an. Die Mitarbeiter erklären den Patienten auch im Rahmen von Disease-Management-Programmen oder beim Check-up, dass gerade ab 60 Jahren neben der COVID-19-Immunisierung auch weitere Impfungen wichtig sind.

  • 11. Welche Impfungen koadministrieren Sie üblicherweise?

    Aktuell in der Herbstzeit ist die Nachfrage nach der Grippeimpfung groß. Diese koadministrieren wir auch mit dem COVID-19-Impfstoff. Diese simultane Verabreichung beider Impfstoffe wird auch in der Regel sehr gut von den Patienten vertragen.

  • 12. Welche Tipps haben Sie, die das Impfen einfacher machen?

    Bei der Anmeldung kann die MFA unmittelbar Einsicht in den Impfpass nehmen. Mit geübtem Blick wird schnell erfasst, ob Impfungen notwendig sind oder nicht. Wir haben zudem vorgefertigte DIN A4-Zettel, auf denen man zügig Kreuze bei fehlenden Impfungen setzen kann. Diese werden den Patienten dann mitgegeben. Noch dazu haben wir Aufkleber mit der Aufschrift „Deine Impfung ist fällig, mach dir einen Termin!“, welche man auf die Chipkarte oder auf den Impfpass kleben kann.

    Zudem haben wir stets genug Impfstoff in unserer Praxis gelagert, sodass wir bei einem Besuch des Patienten ggf. sofort impfen können. Der Patient muss dann nicht nochmal zusätzlich in die Praxis kommen. Ein gutes Bestellsystem ist dann wichtig. Das ist bei uns klar geregelt. Der Mitarbeiter, der an dem Tag im Labor ist, gibt die Anweisung zur Nachbestellung. Beispielsweise wird bei Zehnerpackungen nach Entnahme der 8. Impfung nachbestellt. Weiterhin ist es von Vorteil, wenn man genug Räumlichkeiten in der Praxis zur Verfügung hat. So kann die Blutabnahme weiterlaufen und in einem anderen Raum geimpft werden, was wiederum auch Zeit spart.

  • 13. Welche Vorteile kann ein elektronisches Impfmanagement-Programm bieten?

    Durch die COVID-19-Impfung haben viele Patienten den Impfpass dabei und somit stets greifbar. So können wir die Impfungen in unser elektronisches System einpflegen und den Impfstatus überprüfen. Wenn der Patient beim Arzt vorstellig ist, kann dieser zeitgleich das elektronische Impfprogramm öffnen und es werden ggf. fehlende Impfungen angezeigt. So ein elektronisches Impfmanagement-Programm ist zwar recht aufwendig zu pflegen, aber da wir jede Impfung eingeben, haben wir stets die Übersicht, auch wenn der Patient den Impfpass einmal nicht dabei hat. Je nach Programm gibt es ein Ampelsystem und man kann auf einen Blick den Impfstatus einsehen: rot = fehlender Impfschutz, gelb = Impfschutz nicht vollständig, grün = Impfschutz vollständig. So ein Tool gibt Sicherheit und zeigt das Datum für die nächstfälligen Impfungen an.

  • 14. Was ist Ihre Schlussbotschaft an die teilnehmenden Ärzte und MFA?

    Es gibt viele Möglichkeiten, das Impfmanagement zu optimieren: elektronisches Impfmanagementsystem, klare Verantwortlichkeiten im Team, das Thema Koadministration und den Patienten den Zeitaufwand zu ersparen, nochmal in die Praxis kommen zu müssen. Es bestehen ganz viele Situationen, bei denen Sie Patienten aktiv auf Impfungen ansprechen – im Rahmen einer Reise oder der COVID-19-Impfung werden schließlich die Impfausweise kontrolliert. Noch dazu sind alle im Team fit und motiviert und begegnen den Patienten mit einem Lächeln, was sehr wichtig ist.



NP-DE-VX-WCNT-210109, Nov21